Sonntag

Der Sonntag ist der erste Tag der Schöpfung

Am ersten Tag der Schöpfung erschafft Gott nach einer unendlich langen Dunkelheit das Licht. Er scheidet das Dunkel vom Licht. Leben kann entstehen.

Am ersten Tag der Woche wird Jesus aus dem Tod erweckt und steht auf und lebt. Gottes schöpferische Kraft überwindet den Tod: Unerwartet in der Auswirkung und letztlich auch nicht fassbar. Jesus als Mensch ist nicht mehr da, aber seine neue lebendige Präsenz wird für seine Freundinnen und Freunde zum Grund, jeden Sonntag ihr eigenes Auf(er)stehen zu feiern. Damit beginnt Gottes Menschwerdung mit der gleichen unerwarteten Kreativität, wie der erste Schöpfungstag – neue Schöpfung für alle Menschen.

Die Fastenzeit beginnt in wenigen Tagen. Eigentlich will Fasten Kreativität und Lebendigkeit freisetzen. Darum wird Fasten mit bewusstem Verzicht auf Verhaltensweisen oder Dinge, die das Leben einschränken, verbunden.

Welche Ruhepausen brauchen Sie, um schöpferisch zu sein?

Wie feiern Sie das wöchentliche Kreativitätsfest Gottes?

Wie möchten Sie sich bewusst auf Ostern, das grosse Fest der neuen Schöpfung, vorbereiten?

Mit diesen Zeilen verabschieden wir uns für dieses Jahr nach 7×7 Gedankenanstössen.

Ihr Fokus-Theologie-Team

Lasset euch finden

Geht in den Tag hinaus ohne vorgefasste Ideen,

ohne die Erwartung von Müdigkeit,

ohne Plan von Gott,

ohne Bescheidwissen über ihn,

ohne Enthusiasmus,

ohne Bibliothek –

geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte –

und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist,

und nicht erst am Ziel.

Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,

sondern lasst euch von ihm finden

in der Armut eines banalen Lebens.

Madeleine Delbrêl

Sei gegrüsst

Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Willy Fries Wattwil

Wahrscheinlich kennen Sie dieses Bild aus der Grossen (Toggenburger) Passion von Willy Fries besser als ich – obwohl mir die Bilder bereits in Hamburg begegnet sind[1]. Mich haben diese Bilder immer auf eigenartige Weise abgestossen und fasziniert zugleich. Dieser Ausschnitt aus dem Zyklus heisst „DORNENKRÖNUNG. Sei gegrüsst lieber Judenkönig.“ (Mt 27,29) Die Militär-Uniformen, die Aktualisierung und die brutal entmenschlichende Ignoranz der Folterknechte – die ohne jedes ersichtliches Mitgefühl ihren Spass an der Entwürdigung ihres Gefangenen haben, oder mit leerem Blick ins nirgendwo starren, sich offenbar innerlich entrücken, ohne äusserlich einzugreifen – verhindern, dass sich irgendjemand dieser Szene entziehen kann.

„Innere Emigration“ war eine Zeit lang ein geradezu populärer Begriff. So sich vermeintlich die Verhältnisse nicht ändern lassen, da zieht man sich in sich selbst zurück und versucht, unter dem Radar der Schergen unsichtbar zu bleiben.

Doch mit welch fatalen Folgen! Man verliert sich selbst, wo man einem anderen Menschen die Würde des Menschseins abspricht; denn wer im anderen nicht Gottes Ebenbild sieht, kann auch sich selbst nur als verzerrende Karikatur Gottes wie des Menschen sehen. Es bleibt unbegreiflich, wie Menschen zu so unmittelbarer Grausamkeit fähig sind. Und Willy Fries hat das in anrührenden Bildern darzustellen gewusst.


[1] Fries, Willy, Passion. Zürich, Orell Füssli, 1976

ISBN 10: 3280008603 / ISBN 13: 9783280008607

Das Reich Gottes

Und er kam nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie er es gewohnt war, am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Und man reichte ihm das Buch des Propheten Jesaja. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

Der Geist des Herrn ruht auf mir,

weil er mich gesalbt hat, Armen das Evangelium zu verkündigen.

Er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit und Blinden das Augenlicht zu verkündigen, Geknechtete in die Freiheit zu entlassen,

zu verkünden ein Gnadenjahr des Herrn.

Und er tat das Buch zu, gab es dem Diener zurück und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, zu ihnen zu sprechen: Heute ist dieses Schriftwort erfüllt – ihr habt es gehört. Und alle stimmten ihm zu und staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Lk 4,16-22 

Bezieht Jesus dieses Jesaja-Wort auf sich selbst?

Oder auf alle Anwesenden?

Nimmt Jesus die göttliche Gnade für jede und jeden in Anspruch oder nur für sich selbst?

Wie verändert sich der Text, je nach Lesart?

Wie wäre es, wenn sich jede Person als geisterfüllt wahrnehmen könnte und die Berufung durch Gott annehmen würde? Dann könnte sich Reich Gottes tatsächlich «heute» erfüllen, durch alle, die davon hören.

Machen Sie mit? Damit mit Freiheit und Klarheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heute das Reich Gottes Wirklichkeit wird?

Täuschungen

Glauben sie auch nur das, was Sie sehen?

Dann schauen Sie hier einmal genau hin – und anschliessend auf die weisse Fläche nebenan:

Was sehen Sie auf der weissen Fläche?

Macht uns das Auge etwas vor? Oder liegt es in der Natur des Auges, über das Offensichtliche hinaus mehr zu sehen?

Von (den) Sinnen

Klar, es gibt

den Sehsinn
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist sehsinn.png.
den Hörsinn
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist hc3b6rsinn.png.
den Tastsinn
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist tastsinn.png.
den Geruchssinn
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist geruchssinn.png.
den Geschmacksinn
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist geschmackssinn.png.

Und darüber hinaus?

  • Und was wäre dann der sechste Sinn?

Etwa der Balancesinn, der für einen aufrechten Gang sorgt, uns im Gleichgewicht hält und verhindert, dass wir im Dunkeln torkeln?

Oder der Schmerzsinn, der signalisiert, wenn der Körper an Störungen, Mangel oder verkehrtem Überschuss leidet?

Oder die Intuition?

  • Mit dem 7. Sinn ist schon seit vielen Jahren Vorausahnen, Reaktionsfähigkeit und vorausschauende Aufmerksamkeit gemeint. Das deutsche Fernsehen propagierte diese Fähigkeiten in seinen Sendungen zur Verkehrserziehung.  
  • Und fällt Ihnen ein, was der achte Sinn sein könnte? Vielleicht so etwas ähnliches, wie das Gottes-Gen, dass spirituell empfänglich macht und wahrnehmen lässt, was diese Welt übersteigt?

Oder Empathie als der Sinn, der auf die Empfindungen anderer Menschen achtsam reagiert?

  • Und welchen Sinn hätten Sie ausserdem gern?

Genug für heute

Was ist genug?

Das Gottesvolk findet auf seiner Wüstenreise täglich Nahrung vor und darf davon so viel sammeln, dass es für den Tag genügt. Jeden Tag aufs Neue. Vorräte verderben; eine Notration kann sich niemand zulegen. Die Sorge darum, ob es auch morgen genug sein werde, muss vollständig an Gott delegiert werden (Ex 16,4ff ). Nur am Samstag, dem Schabbat, dem Ruhetag Gottes (Gen 2,2-3 ), gibt es kein Himmelsbrot; die Hebräer*innen finden an diesem besonderen Tag nichts, was sich erarbeiten liesse, keine Nahrung, nichts, was man tun könnte, wenn selbst Gott ruht und darum sammeln sie freitags die doppelte Ration 😊. Damit es auch am Schabbat genug gibt.

Wünsche für mein Leben

Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, und unsere Identität ist dort, wo wir noch nie waren, in der wahren Heimat der Menschen, einer Erde ohne Krieg. «Dein bin ich, o Gott» bedeutet, dass ich mich fallen lassen kann, aber es heisst auch, dass meine Wünsche für mein Leben nicht klein und ängstlich sein müssen, sondern gerade so gross wie die Wünsche und Verheissungen dessen, dem ich gehöre. Gottes Wunsch für uns ist, dass wir zum Werkzeug seines Friedens werden bis in unsere Träume hinein. (Dorothee Sölle, 1981. Das Recht ein anderer zu werden. S. 184.)