Das Reich Gottes

Und er kam nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie er es gewohnt war, am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Und man reichte ihm das Buch des Propheten Jesaja. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

Der Geist des Herrn ruht auf mir,

weil er mich gesalbt hat, Armen das Evangelium zu verkündigen.

Er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit und Blinden das Augenlicht zu verkündigen, Geknechtete in die Freiheit zu entlassen,

zu verkünden ein Gnadenjahr des Herrn.

Und er tat das Buch zu, gab es dem Diener zurück und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, zu ihnen zu sprechen: Heute ist dieses Schriftwort erfüllt – ihr habt es gehört. Und alle stimmten ihm zu und staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Lk 4,16-22 

Bezieht Jesus dieses Jesaja-Wort auf sich selbst?

Oder auf alle Anwesenden?

Nimmt Jesus die göttliche Gnade für jede und jeden in Anspruch oder nur für sich selbst?

Wie verändert sich der Text, je nach Lesart?

Wie wäre es, wenn sich jede Person als geisterfüllt wahrnehmen könnte und die Berufung durch Gott annehmen würde? Dann könnte sich Reich Gottes tatsächlich «heute» erfüllen, durch alle, die davon hören.

Machen Sie mit? Damit mit Freiheit und Klarheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heute das Reich Gottes Wirklichkeit wird?

Täuschungen

Glauben sie auch nur das, was Sie sehen?

Dann schauen Sie hier einmal genau hin – und anschliessend auf die weisse Fläche nebenan:

Was sehen Sie auf der weissen Fläche?

Macht uns das Auge etwas vor? Oder liegt es in der Natur des Auges, über das Offensichtliche hinaus mehr zu sehen?

Von (den) Sinnen

Klar, es gibt

den Sehsinn
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den Hörsinn
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den Tastsinn
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den Geruchssinn
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den Geschmacksinn
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Und darüber hinaus?

  • Und was wäre dann der sechste Sinn?

Etwa der Balancesinn, der für einen aufrechten Gang sorgt, uns im Gleichgewicht hält und verhindert, dass wir im Dunkeln torkeln?

Oder der Schmerzsinn, der signalisiert, wenn der Körper an Störungen, Mangel oder verkehrtem Überschuss leidet?

Oder die Intuition?

  • Mit dem 7. Sinn ist schon seit vielen Jahren Vorausahnen, Reaktionsfähigkeit und vorausschauende Aufmerksamkeit gemeint. Das deutsche Fernsehen propagierte diese Fähigkeiten in seinen Sendungen zur Verkehrserziehung.  
  • Und fällt Ihnen ein, was der achte Sinn sein könnte? Vielleicht so etwas ähnliches, wie das Gottes-Gen, dass spirituell empfänglich macht und wahrnehmen lässt, was diese Welt übersteigt?

Oder Empathie als der Sinn, der auf die Empfindungen anderer Menschen achtsam reagiert?

  • Und welchen Sinn hätten Sie ausserdem gern?

Genug für heute

Was ist genug?

Das Gottesvolk findet auf seiner Wüstenreise täglich Nahrung vor und darf davon so viel sammeln, dass es für den Tag genügt. Jeden Tag aufs Neue. Vorräte verderben; eine Notration kann sich niemand zulegen. Die Sorge darum, ob es auch morgen genug sein werde, muss vollständig an Gott delegiert werden (Ex 16,4ff ). Nur am Samstag, dem Schabbat, dem Ruhetag Gottes (Gen 2,2-3 ), gibt es kein Himmelsbrot; die Hebräer*innen finden an diesem besonderen Tag nichts, was sich erarbeiten liesse, keine Nahrung, nichts, was man tun könnte, wenn selbst Gott ruht und darum sammeln sie freitags die doppelte Ration 😊. Damit es auch am Schabbat genug gibt.

Wünsche für mein Leben

Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, und unsere Identität ist dort, wo wir noch nie waren, in der wahren Heimat der Menschen, einer Erde ohne Krieg. «Dein bin ich, o Gott» bedeutet, dass ich mich fallen lassen kann, aber es heisst auch, dass meine Wünsche für mein Leben nicht klein und ängstlich sein müssen, sondern gerade so gross wie die Wünsche und Verheissungen dessen, dem ich gehöre. Gottes Wunsch für uns ist, dass wir zum Werkzeug seines Friedens werden bis in unsere Träume hinein. (Dorothee Sölle, 1981. Das Recht ein anderer zu werden. S. 184.)

Stricken am Morgen…

Stricken am Morgen

Kummer und Sorgen.

Stricken am Abend

Erquickend und labend.

Lange habe ich diesen Satz nicht wirklich verstanden.

Meine Grossmutter strickte eigentlich immer und selbstverständlich auch am Morgen. Doch ich hatte nie den Eindruck, dass sie „Kummer und Sorgen“ hatte. Abends sassen die Frauen und wir Mädchen zusammen und strickten, erzählten Geschichten, tratschten, diskutierten, sangen,… ein TV hatten wir damals noch nicht, sonst hätten wir vielleicht auch einfach ferngesehen. Das Vergnügen, unter meinen Händen etwas entstehen zu sehen, während der Kopf frei ist, sich in jede beliebige Richtung zu denken oder zu fühlen, dieses Vergnügen ist mir geblieben.

Nun bekam ich eine Kulturgeschichte des Strickens geschenkt und begreife nun, was hinter dem Vers steckt:

Wer am Morgen bereits strickte, tat das zum Broterwerb, musste in der Regel damit Geld verdienen. Die Arbeit war schlecht gezahlt, die Ansprüche hoch: „Da muss eine alte Frau lange für stricken“, sagt man, wenn etwas sehr teuer ist.

Wer hingegen am Abend strickt(e), tut es zur eigenen Unterhaltung, aus Vergnügen, nach getanem Tageswerk, mit sorgfältig ausgewählten Garnen und mit Liebe zu den Menschen, die damit beschenkt werden. Dankbar bin ich, dass ich zur zweiten Kategorie der Stricker*innen gehöre.

Was das mit „Mensch-sein“ oder „Mensch-werden“ zu tun hat?

Für mich hat Stricken eine kontemplative Dimension: die Hände bewegen sich ohne den Geist zu beanspruchen, an den im Augenblick des Strickens keine weiteren Ansprüche gestellt werden und der Tun kann, was er will. Stricken ist eine Atempause im Alltag … Für Sie auch?

Forschung

Zum Menschsein gehört das Forschen. Dazu gehört auch das Streben nach Gotteserkenntis. Doch nicht nur der Mensch will immer mehr und besser verstehen – auch Gott forscht und will den Menschen verstehen:

Ps 139 beginnt mit den Worten:

„Ewiger, du hast mich erforscht, und du kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe, du weisst es, du verstehst meine Gedanken von fern.

Ob ich gehe oder liege, du hast es bemessen, und mit allen meinen Wegen bist du vertraut.

Kein Wort ist auf meiner Zunge, das du, Ewiger, nicht ganz und gar kennst.»

Was Gott wohl bei seiner Forschung über den Menschen lernt?

Gott ist mit seiner Forschung sogar so weit gegangen, selbst Mensch zu werden.

Gott muss das Menschsein sehr attraktiv finden 😊