Erde tut sich auf

Erdbeben: das Grab wird geöffnet

Matthäus 281Nach dem Sabbat aber, beim Anbruch des ersten Wochentages, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2Und siehe da: Es gab ein starkes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, kam und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3Seine Erscheinung war wie ein Blitz und sein Gewand weiss wie Schnee. 4Die Wächter zitterten vor Angst und erstarrten. 5Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Denn ich weiss, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6Er ist nicht hier, denn er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat. Kommt, seht die Stelle, wo er gelegen hat. 7Und macht euch eilends auf den Weg und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferweckt worden ist; und jetzt geht er euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. 8Und sie gingen eilends weg vom Grab voller Furcht und mit grosser Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu berichten.

Für Matthäus beginnt das Ostererlebnis mit einem gewaltigen Schrecken: Ein Erdbeben ist eine erschreckende Urgewalt. Die Erde bebt, dass – im harmlosen Fall – die Tassen im Schrank klappern und der Boden wie auf hoher See schwankt. Die Erde tut sich auf. Dabei werden Abgründe sichtbar, die ins Erdinnere stürzen. Die Welt gerät aus den Fugen.

Da tut sich die Erde anders auf, als im Frühlingsbeet voller Frühlingsknopsen, die nach oben, zum Sonnenlicht streben.  

Für Matthäus ist Ostern kein vergnügliches Frühlingsfest voll Blühen und Aufkeimen, sondern ein Naturereignis von fulminantem Ausmass: Gottes Botschaft vom Leben kommt mit grossem Radau – und lässt an einen ähnlichen Lärm wie beim Bundesschluss am Sinai denken: «16Am dritten Tag aber, als es Morgen wurde, begann es zu donnern und zu blitzen, und eine schwere Wolke lag auf dem Berg, und es ertönte mächtiger Hörnerschall. Und das ganze Volk, das im Lager war, erzitterte.» (Exodus 19) Mit diesem Anklang an den Sinaibund eröffnet Matthäus das österliche Bild eines Neuen Bundes zwischen Gott und seinen Menschen: ein Bund, der nicht nur die ganze Welt umspannt, sondern auch Leben und Tod mit einander verbündet.

Hoffnung auf Neues

Alles wird neu

Offenbarung 21,1-5 1Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2Und die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, sah ich vom Himmel herabkommen von Gott her, bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. 3Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott. 4Und abwischen wird er jede Träne von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid, kein Geschrei und keine Mühsal wird mehr sein; denn was zuerst war, ist vergangen. 5Und der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sagt: Schreib, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.

Womöglich kennen Sie diesen Text und haben vielleicht auch schon gedacht «schön wär’s». Vielleicht wäre dieses utopische Jerusalem ein bisschen langweilig, aber sicher besser als die Welt heute. Wenn Sie so denken, dann hat Sie der Text bereits gepackt und ihren Blick in seine Richtung gezogen: Sie schauen auf eine gute Zukunft, in der Gott seinen Frieden über die ganze Erde ausbreiten wird.

Tagträumerei?

Ja.

Tagträumen ist gut, denn es nährt unsere Seele und gibt ihr die Kraft, sich gegen Widerstände in eine hoffnungsvolle Richtung zu bewegen. Beides ist nötig, nämlich dass Gott bei uns Wohnung nimmt und wir gleichzeitig das Zusammensein der Menschen immer mehr wandeln und damit die Welt Gottes Zukunft entgegen entwickeln. Wovon träumen Sie?

Hoffnung auf Neues

Was ist Hoffnung?

Von „Hoffnung auf Neues“ ist diese Woche die Rede. Doch was ist eigentlich Hoffnung? Wovon lebt Hoffnung, was macht sie aus? Wann ist Ihre Hoffnung stark, wo kommt sie vielleicht ins Wanken?

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um diesen Denkanstössen nachzusinnen und tragen Sie zusammen, was Ihnen in den Sinn kommt an

  • Assoziationen
  • inneren Bildern
  • Erinnerungen
  • Synonymen
  • Gedanken
  • Verdeutlichungen …

Vielleicht nutzen Sie gern die Vorlage als Anregung?

Mehr zum Thema Hoffnung am Donnerstag, 22. April, 12-13:00 Uhr online.

Hoffnung auf Neues

Zukunft und Hoffnung

Der dreistimmige Kanon aus dem Jahr 1986 vertont ein Trostwort aus dem ersten Testament. Er stammt aus dem Buch Jeremia (Jer 29,11). Die schlichte und zugleich grossartige Zusage Gottes öffnet neue Horizonte, in eine Situation der Bedrängung hinein. Die Melodie lässt diese göttliche Zusage zu einer Osterhymne werden, denn der dritte Einsatz im Kanon, «Zukunft und Hoffnung» hat auf den Ton genau die selbe Melodie wie der mittelalterliche Osterruf «Victimae paschali laudes» (RG 462), auf deutsch bekannt als «Christ ist erstanden!»

Impuls

Da es offenbar keine Einspielung von diesem Zuspruch gibt: Singen Sie selbst für sich allein abwechselnd «Zukunft und Hoffnung» und «Christ ist erstanden!», summen Sie gemeinsam mit anderen die wenigen Töne und denken Sie dazu die Worte abwechselnd!

Hoffnung auf Neues

Taten statt Hoffnung

In einem emotionalen Appell am WEF 2019 sagte die Klimaaktivistin Greta Thunberg:

Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“

Es ist verständlich, dass sich die jungen Klimaaktivist*innen nicht mit billiger Hoffnung abspeisen lassen. Es ist eine Hoffnung von denjenigen, die sie nicht brauchen, weil sie kein Problem haben, für diejenigen, die sie nicht brauchen, weil ihr Problem damit nicht gelöst wird.

Die Paradoxie ist ernst zu nehmen: Wenn diejenigen, die die Welt lenken, ob der drohenden Katastrophe in Panik geraten, beginnen die Verletzlichen zu hoffen, dass sich etwas ändert. Es geht hier nicht um die Hoffnung an sich, sondern um eine paternalistische Haltung gegenüber den drängenden Stimmen der Jungen. Hoffen will in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet sein. In Bezug auf die drohenden Klimakatastrophen führt der Weg über das Erschrecken. Das nimmt uns niemand ab.

Hoffnung auf Neues

Das Prinzip Hoffnung

In seinem Buch «Prinzip Hoffnung» schreibt der jüdische Philosoph Ernst Bloch sinngemäss, dass nach dem Schrecken des zweiten Weltkrieges zu hoffen die anstehende Arbeit ist. Der Mensch, der diese Arbeit anpackt und Hoffnung lernen will, lenkt seinen Blick weg vom Scheitern und ist «verliebt ins Gelingen».

Religion hat seit jeher die Funktion, Menschen bei diesem Wechsel der Blickrichtung zu helfen. Religion hilft, Sprache zu finden für das, was aus Gottes Zukunft heraus Gegenwart werden kann. In Krisensituationen ist diese Zukunft nicht aus dem, was erlebt wird, ableitbar. Es braucht «etwas», das von aussen die destruktiven Muster in Frage stellt und sie ablösen kann. Visionäre Gedanken aus den Schätzen unserer heiligen Schriften können dies leisten, und mit Gott haben wir einen an unserer Seite, der durch alle Widerstände hindurch ins Gelingen verliebt bleibt, wie es zum Beispiel in einem Kanon heisst:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
es hat Hoffnung und Zukunft gebracht.
Es gibt Trost, es gibt Halt
in Bedrängnis Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

(Text: Hans-Hermann Bittger, Kanon: Joseph Jacobsen (1935))

Hoffnung auf Neues

Leben wie wenn es der erste Tag wäre

In christlichen theologischen Büchern findet man zuweilen den Gedanken, dass der erste Tag der Woche gleichzeitig der erste und der achte Tag der Woche ist.

Der erste Tag erinnert an die Schöpfung ganz am Anfang der Welt. Mit der Auferstehung Jesu am selben Wochentag erweitert Gott seine Schöpferkraft sogar in das Reich des Todes hinein.

Mit dem achten Tag wird der Blick in die Gegenwart und die Zukunft gelenkt. Die Auferstehung Jesu hat Leben und Tod, Zeit und Ewigkeit zusammenfallen lassen. Sie sind nicht mehr Dualitäten, und vorallem begegnen wir Menschen Tod und zeitlicher Beschränkung nicht mehr ohne die andere Seite: Leben und Ewigkeit sind im Diesseits erfahrbar.

«Es giit öppis änedraa» nannte vor ein paar Jahre eine ältere Frau diese Erweiterung dessen, was das Leben ausmacht. Jesus nannte es das Reich Gottes, das mitten unter uns ist.

Wenn der erste und der achte Tag zusammenfallen, ist auch der Montag, der zweite Tag der Woche, ein Tag voller Neuschöpfung, wie alle anderen Tage, die noch kommen. In diesem Sinn wünschen wir Ihnen einen lebensfrohen und kreativen Start in die Arbeitswoche.

Hoffnung auf Neues

Die Kraft der Auferstehung

Phil 3,10-13 10Ihn will ich kennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Teilhabe an seinen Leiden, wenn ich gleichgestaltet werde seinem Tod, 11in der Hoffnung, zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. 12Nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollkommen wäre! Ich jage ihm aber nach, und vielleicht ergreife ich es, da auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. 13Liebe Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich selbst es ergriffen hätte, eins aber tue ich: Was zurückliegt, vergesse ich und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt.

Vom Gefängnis aus schreibt Paulus an die Gemeinde in Philippi von seiner Hoffnung, die er aus der Kraft der Auferstehung gewinnt. Das ist keine Theorie, kein philosophisches Glasperlenspiel, sondern radikale Öffnung für die österliche Wirklichkeit. Es ist zutiefst empfundene Erfahrung eines Prozesses, der den Tod nicht scheut, weil die Auferstehung bereits im Hier und Heute begonnen hat. Das wird spätestens in V12 deutlich, wenn Paulus von seinem Glaubensprozess als einem Unterwegs-Sein schreibt: Vielleicht kann Glaube nie wie ein Besitz in unserer Macht sein; Glaube entzieht sich – doch Gott entzieht sich nicht: was wir be- (oder er-)greifen können, ist weniger entscheidend, als dass wir von Gott in Christus be- (oder er-)griffen worden sind. Dieses Wortspiel ermöglicht es, hin und wieder einmal durchzuspielen, wie es wäre, wenn Glaube so stark wäre: tun wir doch einfach mal, als ob wir glaubten – und schauen wir zu, was dabei mit uns geschieht: eine Öffnung hin auf das Kommende, das vor uns liegt?

Offenes Grab – verschlossene Türen

Die offene Tür und der Weg nach unten

(Bild: Herkunft unbekannt)

Die Tür zu dem Haus, in dem Jesus sich befindet, steht offen. Der schattige und dunkle Wohnraum füllt sich bis kein Durchkommen mehr ist. Wer sich von Jesus Hilfe erhofft, muss kreativ werden. Vier Freunde bugsieren ihren gelähmten Freund auf das Dach, reissen dieses auf und lassen ihn hinunter direkt vor Jesus.

Auf dem Hintergrund biblischer Texte gelesen, ist dieses Hinunterlassen nicht so harmlos, wie es auf den ersten Blick scheint. Alttestamentliche Beterinnen und Beter der Psalmen haben Angst, dass sie in die Grube und damit in den Tod hinabgeworfen werden. Die Abwärtsbewegung vom Dach in die Dunkelheit des Hauses ist die Gleiche wie bei einer Grablegung, doch der Gelähmte landet mitten im Leben. Es ist eine Paradoxie, die das Christentum immer wieder mit Erzählungen, poetischen Texten und theologischen Aussagen durchspielt: Der Weg zum Leben führt auch durch die Tiefen der Dunkelheit, auch dort ist die heilende Gegenwart Gottes in Jesus Christus – wie übrigens auch auf dem Dach in der Sonne und in den kreativen Ideen der Freunde.

Offenes Grab – verschlossene Türen

Rollender Stein mit einer Mission

Vom Grab von Jesus wird ein Stein gerollt und dadurch kommt die Welt in Bewegung. Ein Künstler macht sich in den Wochen vor Ostern auf und schiebt einen Mühlstein durch das Land. Ein Stein des Anstosses soll es sein – er soll Menschen anstossen, miteinander zu reden und Ideen für ein friedliches Miteinander zu entwickeln. Hier ein kurzer Bericht

und auf facebook können Sie die Route nachverfolgen.