Ezechiel 37

In den Lücken steht im hebräischen Text jeweils Ruach = Wind, Atem, Lebens(kraft), Geist, Geistkraft. Lesen Sie den Text, indem Sie die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten in die Lücken setzen. Wie verändert sich der Text je nach Übersetzung?
 

1Die Hand des HERN war auf mir, und durch ___________ des HERRN führte er mich hinaus, und mitten in der Ebene liess er mich nieder, und diese war voller Gebeine. 2Und er führte mich an ihnen vorbei, rings um sie herum, und sieh, in der Ebene waren sehr viele, und sieh, sie waren völlig vertrocknet. 3Und er sprach zu mir: Du Mensch, werden diese Gebeine wieder lebendig werden? Und ich sprach: Herr, HERR, du weisst es. 4Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr vertrockneten Gebeine, hört das Wort des HERRN! 5So spricht Gott der HERR, zu diesen Gebeinen: Seht, ich lasse ____________ in euch kommen, und ihr werdet leben. 6Und ich gebe euch Sehnen und lasse Fleisch wachsen an euch, und ich überziehe euch mit Haut und lege  ___________ in euch, und ihr werdet leben, und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin. 7Und ich weissagte, wie es mir geboten worden war, und als ich geweissagt hatte, war da ein Lärmen, und sieh, ein Beben, und Gebeine rückten aneinander, eines an das andere. 8Und ich schaute hin, und sieh, auf ihnen waren Sehnen, und Fleisch war gewachsen, und darüber zog er Haut, ___________  aber war nicht in ihnen. 9Und er sprach zu mir: Weissage über  ___________, weissage, Mensch, und sprich zum ___________: So spricht Gott der HERR: ___________, komm herbei von den vier  ___________  und hauche diese Getöteten an, damit sie leben. 10Und ich weissagte, wie er es mir geboten hatte, und  ___________  kam in sie, und sie wurden lebendig und stellten sich auf ihre Füsse, ein sehr, sehr grosses Heer. 11Und er sprach zu mir: Du Mensch, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel! Sieh, sie sagen: Unsere Gebeine sind vertrocknet, und unsere Hoffnung ist dahin. Wir sind abgeschnitten! 12Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Seht, ich öffne eure Gräber, und ich lasse euch, mein Volk, aus euren Gräbern steigen und bringe euch auf Israels Boden. 13Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern steigen lasse. 14Und ich werde meine(n)  ___________  in euch legen, und ihr werdet leben, und ich werde euch auf euren Boden bringen, und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin. Ich habe gesprochen, und ich werde es tun! Spruch des HERRN.

Idee: D. Dieterich

Bibelübersetzung: Zürcher Bibel.

 

 

Zuwenig Anerkennung: Heiliger Geist verlässt Dreifaltigkeit

Diese garantiert unter Fake-News einzuordnende Schlagzeile erschien Pfingsten 2011 in der online-Satirezeitschrift „Der Postillion“ (http://www.der-postillon.com/search?q=heiliger+Geist). Anlass für den Zwist sei eine systematische Diskriminierung seitens der beiden meist in menschlicher Gestalt dargestellten Personen – mit der Taube habe er, der Heilige Geist, da echt den Schwarzen Peter gezogen. Deshalb plane jetzt als Solo-Gott eine eigene Karriere. Im Artikel erklären Gott Vater und Gott Sohn den Heiligen Geist für verzichtbar.

Dies erinnerte mich an eine Bibliodrama-Szene zum Thema Trinität vor ein paar Jahren. Gott Vater und Sohn verhakten sich in heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn des Kreuzes und der Heilige Geist sass stumm daneben. Er kam nicht zu Wort und hätte, wäre er zu Wort gekommen, auch nicht viel zu sagen gehabt. Nachträglich stellte sich mir die Frage, ob die Geistkraft überhaupt hätte etwas sagen müssen. Vielleicht hätte der Heilige Geist auch einfach aufstehen (und damit die Spielanleitung durchbrechen müssen) und die beiden Streithähne durch Berührung, Bewegung und unerwarteten Liebeserklärungen in ein neues Miteinander bringen sollen. Jedenfalls zog ich damals nicht den Schluss, dass die Heilige Geistkraft überflüssig gewesen wäre. Es herrschen aber in den Kirchen Spielregeln, die ihr das Wirken schwer machen. Es spricht nichts dagegen, mit der Heiligen Geistkraft zusammen diese Spielregeln in einen spielerisches Miteinander zu verwandeln.

Oder anders gesagt: Verhindern wir mit geeinten Kräften den Austritt der Heiligen Geistkraft aus der Trinität. Ihre dynamische Kraft würde sehr fehlen.

 

Gott als (Nicht-)Ort

Wüfel

Hängt oder liegt der Würfel?

In der rabbinischen Literatur wird Gott als HaMaqom, der „Ort“ oder der „Raum“ bezeichnet. Entstanden ist dieser Gottesname nach der Tempelzerstörung, als die Theologie neu gedacht werden musste. Nicht die Welt ist der Ort Gottes, sondern Gott ist der Ort der Welt. Mit diesem Perspektivenwechsel ist angedeutet, dass Gottes Raum nur bedingt mit unserer Vorstellung von Raum zusammenpasst. Ein Raum lebt in unserer Wahrnehmung von seiner Begrenzung. Gottes Raum ist unbegrenzt.

Wie kann man sich auf diesem Hintergrund das göttliche Miteinander der Dreifaltigkeit denken? Der Philosoph Peter Sloderdijk hat die Beziehung der drei Personen als „Urwohngemeinschaft“ bezeichnet, „eine Wohnung, in der jeder das Zimmer der anderen ist“.

Die altkirchliche Bezeichnung Perichorese (=das dynamische Ineinander der göttlichen Personen) „… steht für nicht weniger als für den anspruchsvollen Gedanken, dass die Personen nicht in äußeren, bei der Physik geliehenen Räumen lokalisierbar sind, sondern dass sie den Ort, an dem sie sind, selber durch ihre Beziehung zueinander stiften.“  (Peter Slotderdijk, Sphären I, S. 619) Man müsste „ein ganz in Liebesgeschichten“ verstrickter Mensch sein, um zu ahnen, was dies bedeuten könnte.

3 in 1

Kürzlich stolperte ich über die Lego-Linie Creator 3in1. Aus den gleichen Legobausteinen können drei verschiedene Figuren gebaut werden – die gleiche „Substanz“ in drei verschiedenen Erscheinungsbildern.

Die sprachliche Anlehnung an die Trinität ist vielleicht nicht gewollt aber unübersehbar. Creator, Schöpfer zu sein, heisst, jede der drei Erscheinungsformen annehmen zu können, Schöpfer, Sohn und Heilige Geistkraft. Der Vorteil des Originals allerdings ist, dass 1 auch in allen 3 ist und Schöpfer, Sohn und Heilige Geistkraft sich in ihrer Erscheinung nicht nacheinander abwechseln müssen, sondern gleichzeitig ganz sein können. Ein echter Mehrwert.

https://www.youtube.com/watch?v=p1956TaRmmE

https://www.youtube.com/watch?v=yj1aw9uzjpE

https://www.youtube.com/watch?v=1WRQQ087kQs

 

Ohly

Anspruchsvoll entwickelt der deutsche Theologe Lukas Ohly sein Trinitätskonzept (Lukas Ohly, Was Jesus mit uns verbindet. Eine Christologie; Leipzig 2013, S. 24-25). Er schreibt:

„Die Geschichte Jesu ist einerseits die Geschichte Gottes, schneidet sich aber andererseits auch mit unserer Geschichte, weil er ebenso Mensch ist wie wir. Das heisst aber: Durch Jesus werden auch wir ein Teil der Geschichte Gottes. […] Diese Dreigliedrigkeit ist deswegen trinitarisch, weil Gott (1) durch Jesus (2) uns (3) begegnet. Es handelt sich um drei Momente einer Begegnung. Würde man ein Moment wegnehmen, hätte man es nicht mehr mit einer Begegnung zu tun. Ein Begegnung zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass

  1. etwas begegnet (Widerfahrenscharakter einer Begegnung),
  2. etwas begegnet (Objektcharakter einer Begegnung)
  3. und beides als Begegnung evident wahrgenommen wird (Erkenntnischarakter der Begegnung, das heisst der bemerkte Charakter für uns).“

Ohly denkt Trinität konsequent als Begegnung. Interessant ist dabei, dass er die ganze Trinität in jeder Begegnung ausmachen kann.

Genügt diese Auslegung der Trinität Ihrer Gottesvorstellung?

Ihrem Bedürfnis, Gott als Gegenüber zu denken?

Die trinitarische Formel 2Kor 13,13

14.6. 2Kor 13,13_Bild

Die systematische Theologie hält fest, dass es im Neuen Testament noch keine ausgebildete Trinitätslehre gibt. Doch gibt es Vorläufer der christlichen Trinitätslehre. Eins der häufig im Gottesdienst gebrauchten ist die Schlussformel des  zweiten Briefes an die Gemeinde in Korinth, wo Paulus schreibt:

„Die befreiende Zuwendung unseres Herrn Jesus Christus,
die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft, die uns die heilige Geistkraft schenkt,
sei mit euch allen!“ (BigS)

https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/die-bibel/bigs-online/?2-Kor/13/13-/

 

Richtet sich das Augenmerk auf Jesus Christus, Gott und Geist, mag es scheinen, als seien drei Personen gemeint, die unabhängig von einander handeln und wirken. Doch richtet sich das Augenmerk auf die Beziehung in Zuwendung/Gnade, Liebe und Gemeinschaft, wird spürbar, wie nah alle drei Beziehungsweisen mit einander verbunden sind und in allen die Göttliche Kraft wirkt.

„Mit euch allen“ lädt ein, diese Zusage nicht individuell zu verstehen, sondern gemeinschaftlich: jede Person ist zu unterschiedlichen Zeiten des Lebens  auf andere Weise besonders ansprechbar. Darum begegnet Gott auf dreifache Weise, um die Menschen zu erreichen.

Mühlrad

Eine seltene Darstellung der Trinität ist das Mühlrad. Es taucht zum Beispiel im Glasfenster der Pfarreikirche Jonschwil auf (http://www.pfarreiforum.ch/_downloads/Pfingstsequenz.pdf)

Der Vergleich der Trinität mit einem Mühlrad geht zurück auf Bonaventura, einen Franziskaner aus dem 13. Jh. Er beschreibt die trinitarische Struktur Gottes als ein permanentes Sich-Mitteilen der trinitarischen Personen Gott, Sohn und heilige Geistkraft: In Sich-Mitteilen gibt sich die ganze Substanz und Wesenheit dem Anderen hin. Die Beziehung der drei Personen ist als ein untrennbares Ineinandersein (circumincessio) in innertrinitarischer Liebe zu verstehen. Das Mühlrad, das ihm als Bild vorschwebte, hat nur drei Eimer. Jeder der Eimer leert sich jeweils am höchsten Punkt in den nächsten und dieser wiederum giesst es in den nächsten. Dieses Wasserrad stoppt niemals. Unendliches Überfliessen und unendliches Sich-selbst-Leeren – das ist Gott. Und wenn es mit dem Nachbauen des Wasserrades nicht wirklich klappen sollte: Alle Bilder und alles Nachdenken über die Dreifaltigkeit haben die Funktion, das Mysterium zu bewahren. Sie haben nicht den Anspruch, Anschauungsmaterial für den Physikunterricht zu sein. Denn wie das Wort „Mysterium“ es impliziert: Gott kann letztlich nicht ausgesagt oder erklärt werden. (myo = griech. den Mund schliessen). Aber gerade diese Bilder helfen, mit diesem unendlich liebenden Geheimnis in Beziehung zu sein.

Surrli

Die christliche Theologie spricht vom dreieinen Gott: Gott wendet sich den Menschen auf dreifach Weise zu und bleibt dabei eine Einheit:

↓           von oben herab, hierarchisch, Leben schenkend, als Schöpfer, Richter, König, Befreier…:

fürsorglich, entmündigend, wie Eltern, Lehrpersonen, Vorgesetzte, Machthabende

 

→←      auf Augenhöhe, partnerschaftlich, als Bundesgenosse, in Jesus Christus…:

ebenbürtig, gleichwertig, wie Geschwister, Liebende, FreundInnen

 

↑           aufrichtend, ermächtigend, als Geistkraft, Atemhauch, Auferstehungsmacht, Paraklet…:

ermutigend, emanzipierend, wie  selbstverantwortliche, autonome, eigenständige Menschen

Der Surrli ist ein Sinnbild für diese Drei-Einigkeit:

In Bewegung sind die verschiedenen Zuwendungsweisen kaum zu unterscheiden, in der Ruhe kommt eine Seite dem Menschen am nächsten. So ist es auch im zwischenmenschlichen Leben: als Mutter, als Freundin und als alleinstehende Person lebe ich alle drei Beziehungsweisen – aber selten alle drei zur selben Zeit …

Welche Beziehungsweise leben Sie besonders intensiv? Und welche wünschen Sie sich von Gott?

Trinitatis

Der erste Sonntag nach Pfingsten feiert die Dreifaltigkeit oder Trinität. Eingeführt wurde das Fest erst 1334 von Papst Johannes XXII. Ein altes deutsches Wort für diesen Sonntag ist „Frommtag“, heute würde man vielleicht eher „Spiritualitätstag“ sagen. Anlass für dieses Fest ist, dass Gott in seinen drei Personen mit sich, mit den Menschen und mit der Welt in Beziehung steht. Und dies ist der Boden, auf dem auch ich mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen und mit Gott, der alles in allem ist, in Beziehung stehe. Und das ist ein Aspekt von einem spirituellen Leben. Oder mit Kurt Marti:

Dreieinigkeit?
Entwurf
ohne Endgültigkeit.
Gott ist Liebe,
will er sagen,
Gottes Sein blüht gesellig…

(Aus: Kurt Marti, Die gesellige Gottheit. Ein Diskurs. Im RADIUS-Verlag, Stuttgart 1993.)