Wasser und Fels II

oder: Eine Bedrohungslage setzt die Ethik nicht ausser Kraft.

Dem Volk Israel fehlt in der Wüste das Wasser. Exodus 17 Die Todesangst ist gross, denn ohne Wasser ist ein Überleben nicht möglich. Sie schreien Mose an, und nach einem Gebet gelingt es ihm mit seinem Stab Wasser aus dem Felsen zu schlagen, und das Volk überlebt. Soweit die Geschichte.
Zum Schluss wird eine Art Übersetzung dieser Erfahrung in eine theologische Sprache gemacht: „Und er (Mose) nannte den Ort Massa und Meriba, weil die Israeliten gehadert und weil sie den HERRN auf die Probe gestellt hatten, indem sie sprachen: Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?“ (Ex 17,7; Zürcher Bibel)
Davon war vorher nicht die Rede. In der Erzählung geht es nur um das fehlende Wasser und das verständliche Schreien danach. Dieses Schreien und Hadern wird hier unvermittelt mit der Grundsatzfrage nach der Gegenwart Gottes gleichgesetzt. Soll man daraus ableiten: Einfach dasitzen und sich an Gottes Gegenwart freuen und dabei verdursten?
Ich glaube nicht. Gott kann es nicht wollen, denn sein Wesen ist Leben.
Vielleicht geht es darum: Das Volk kippt im Moment, wo das Leben gefährdet ist, aus der Beziehung mit Gott heraus. Es steigt aus dem „Kooperationsvertrag“ aus, der durch die wunderbare Befreiung aus der Sklaverei getragen hat. Statt wie befreite Erwachsene dazustehen und Lösungen zu suchen, macht es Mose für die ganze Misere verantwortlich. Die Kooperation zwischen Gott und Volk kippt wieder in eine Hierarchie und Selbstversklavung, in der das Volk sich selbst die neu erworbene Würde nimmt und sich wie ein quengelnder Vierjähriger benimmt, der die Lösung sämtlicher Probleme von seinen Eltern erwartet. Nur dass es keine Vierjährigen sind – und dass Mose in seiner nicht selbstgewählten Elternrolle um sein Leben fürchtet. Die vom Durst Bedrohten sind bereit, zu töten. Das ist das eigentliche Problem.
Wäre „Gott in ihrer Mitte“, würde sich die ganze Weisheit der Gruppe im Überlebenskampf zu einer Kooperation verbinden. Ich glaube, die daraus resultierende Lösung wäre mindestens so kreativ, wie der Stab, der Wasser aus dem Felsen schlägt.

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