Feigenbaum

Hinter unserem Haus wuchs ein wunderbarer Feigenbaum, der zweimal im Jahr Früchte trug, bis er einem Neubau auf dem Nachbargrundstück zum Opfer fiel. Die „Weihnachtsfeigen“ wurden in unseren Breitengraden nicht mehr reif. Doch die Sommerfeigen waren wunderbar süss und saftig. Meine „Zeit für Feigen“ (Mk 11,13) war am Morgen: auf dem Weg zur Arbeit pflückte ich mir eine Handvoll, denn abends waren alle reifen Früchte abgelesen.
Und immer wieder kam mir dabei die Begegnung Jesu mit dem Feigenbaum in den Sinn:
Zur Unzeit sucht Jesus nach Feigen am Baum. Als er keine findet, spricht er einen Bann über den Baum aus, der sich tatsächlich über Nacht bewahrheitet. Darauf hingewiesen, ermahnt Jesus die, die mit ihm unterwegs sind, zu einem Glauben an Gott, der stark genug sein kann, dass Gebete und Bitten sich erfüllen. Und weiter mahnt Jesus, nicht seinem ungeduldigen Vorbild gegenüber dem Feigenbaum zu folgen, sondern zu vergeben. (Mk 11,13-25). Das Wort wirkt. Nicht nur Gottes Schöpfungswort, sondern auch das Wort der Menschen. Also kommt es darauf an, was wir sagen, wünschen und wirken. Das Verhalten von Jesus irritiert. Er ist kein Supermensch ohne Fehl und Tadel, sondern muss sich korrigieren. Doch statt in beklemmende Selbstbeschuldigung zu verfallen, leitet er die Erkenntnis ab, dass Vergeben das angemessene Verhalten wäre. Durch Vergebung entsteht Lebensfülle, wo ein Bannspruch nur zum Verdorren führt.
Von solchen Gedanken erfüllt nasche ich eine Feige – aus dem Laden statt vom Baum – und frage mich, wann ich die „Zeit für Feigen“ ignoriere, wann mein Wort Verdorren auslöst und wie viel Kraft Vergebung manchmal braucht.

Mehr dazu unter Fokus Theologie Materialien/Download MK 11,12-14, 20-25
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