Mond

Moonrise
Der Mond ist aufgegangen RG 599

Eines der beliebtesten Abend- und Kirchenlieder der christlichen Tradition ist wohl das Lied von Matthias Claudius, der es 1779 dichtete. Ausgehend von einer stimmungsvollen Mondbetrachtung entwickelt sich ein Welt- und Menschenbild, das von geradezu romantischer Rührung geprägt ist und Lebensfreude mit der Endlichkeit des Daseins verbindet.
In den ersten 4 Strophen fehlt jeder Hinweis auf Gott; dafür wird ein Weltbild entworfen das – ganz im Unterschied zur Aufklärung – die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit als begrenzt akzeptiert. Dem hält das Lied einzig die Gotteserkenntnis entgegen (Strophe 5), die geradezu zu einer Todespoesie (Strophen 6+7) führt und Schlaf und Tod aufs Engste zusammendenkt.
Matthias Claudius (15. August 1740 – 21. Januar 1815) stand – trotz seiner Mitgliedschaft in verschiedenen Freimaurerlogen – in kritischer Distanz zur Aufklärung und vertrat eher konservative Inhalte. All dies klingt in seinem Abendlied an: eine Naturfrömmigkeit, die sich Gott besonders in und durch die Natur nahe fühlt; eine Empfindsamkeit, die sich mit der persönlichen Befindlichkeit befasst und diese zu ergründen sucht und damit in die Nähe moderner Selbstreflexion rückt, sowie die ethische Gewichtung des «Nächsten»,  der ebenso wichtig genommen wird, wie die eigene Person.
Das Lied berührt und kann unter die Haut gehen; vielleicht vor allem wegen der Melodie oder auch wegen der Stimmungsbilder, die viele Menschen von Kindheit an als Abendlied begleitet haben. Vielleicht jedoch auch wegen des Welt- und Menschenbildes, das hier entworfen wird und unterschiedliche Perspektiven eröffnet. Womöglich ist das der Grund dafür, dass dieses Lied so häufig persifliert und parodiert worden ist?
Abendlied (Matthias Claudius)
Diskussion Variationen Abendlied

 

 

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