Jona und der Fisch

Jona, dessen Name «Täubchen» bedeutet, soll ein Profet Gottes sein. Doch er will diese Aufgabe nicht übernehmen. Das verbindet ihn mit vielen seiner grossen historischen Vorbilder. Wie Jesaja (6,5), Jeremia (1,6), Amos (7,14) und andere meint er, sich Gott entziehen zu können. «Täubchen» lässt an Noas Taube denken (Gen 8), an die einfachsten Opfergaben, die Gott gebracht werden können (Lev 5,7). Sie gilt als harmlose Liebesbotin und als Friedenssymbol und wird im Neuen Testament zu einer Gestalt, in der die Heilige Geistkraft erscheint (Mt 3,16p). Es heisst, sie sei «ohne Falsch», also aufrichtig, unverdorben und gewaltfrei (Mt 10,16 vgl Fokus Theologie AndersWorte, Schlange und Taube. Zum Download bitte einloggen.): Entspricht das unserem Bild von Jona?
Die Jona-Novelle dürfte um das Jahr 300 entstanden sein. Ein unbedeutender Heils-Profet aus dem Nordreich des 8. Jahrhunderts wird zum Protagonisten einer kleinen, höchst amüsanten und ironischen Erzählung gemacht, die sozusagen alles auf den Kopf stellt, was Tradition und gesunder Menschenverstand annehmen: statt mit Gott zu reden, wie Abraham und die Propheten es getan haben, versucht Jona in der Erzählung vor Gott zu fliehen, obwohl er von Ps 139 her schon wissen könnte, dass dieses Vorhaben unmöglich ist: Gott ist immer schon vorher da, in jedem Winkel der Welt, und Verstecken ist sinnlos.
Ein göttlich provozierter Sturm, der allen Reisenden tödlich erscheinen muss, veranlasst Jona, Farbe zu bekennen, seine – missglückte – Gottesbeziehung zu erzählen und sich als menschliches Opfer anzubieten, um Gott zu beschwichtigen. Als ob JHWH jemals  Menschenopfer akzeptiert hätte oder Freude an Opferritualen empfunden hätte! Man vergleiche nur Abrahams Prüfung (Gen 22) oder Profetenworte wie Hos 6,6 oder Jes 1,10-17. Dieser Mann spielt sich als Held auf, macht sich dadurch aber eigentlich nur lächerlich mit seiner Donquichoterie; er opfert sich nicht um Gottes willen sondern um seine eigene Ehre zu retten. Und wieder versucht Jona, sich Gott zu entziehen und das Totenreich, wo man Gott nicht loben kann, der lebendigen Konfrontation vorzuziehen.
Als Jona über Bord geht, scheint die Sache zunächst noch schlimmer zu werden: ein Meeresungeheuer verschlingt Jona. Wer rechnet auch damit, dass dieser riesige Fisch ein Bote Gottes ist: flügellos, von den Menschen eher als Dämon angesehen, tut dieses Urmonster, was Gott ihm sagt – anders als Jona. Im offenen, stürmischen Meer hätte Jona wohl nicht überleben können, doch in der Schutzhöhle des Fischbauches versorgt Gott ihn mit allem, was er zum Leben benötigt. Das Täubchen im Fisch im Meer lässt an eine Verdichtung des fünften Schöpfungstages denken.
Und da beginnt Jona zu beten und dankt Gott für seine Bewahrung: doch wieder handelt er zur Unzeit ganz irrational: woher weiss er denn schon, dass dieser Raum ihm nicht zum Grab werden wird? Woher nimmt er nun die Gewissheit, dass Gott sein Gebet erhört (2,3)? Es ist ja das erste Mal, dass Jona mit Gott redet!
Lapidar heisst es dann (2,11), dass der Fisch auf Gottes Geheiss Jona ans Trockene speuzte. In den meisten Kinderbibeln hört hier die Erzählung auf. Doch ich mag die Fortsetzung besonders gern: die Niniveniten ändern aufgrund von Jonas Drohpredigt ihren Lebenswandel, darum ändert Gott seine Absicht, Ninive zu zerstören und Jona beklagt sich, dass er nun als Profet unglaubwürdig sei, weil nicht eintritt, was er angesagt hatte (vgl Dtn 18,22: „Wenn der Prophet im Namen des HERRN etwas verkündet, und es erfüllt sich nicht und trifft nicht ein – das ist ein Wort, das der HERR nicht gesprochen hat. Der Prophet hat sich angemasst, es zu verkünden, fürchte dich nicht vor ihm.“ Oder Jer 28,9: „Der Prophet, der von Frieden weissagt – wenn das Wort des Propheten eintrifft, wird der Prophet erkannt werden, den wirklich der HERR gesandt hat.“). Manche Propheten haben Heil angesagt, obwohl Unheil in der Luft lag – doch hat sich ausser Jona schon jemals jemand über Gottes Güte und Lebenszugewandtheit beklagt?
Mt 10,16 Schlange und Taube

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