Mach‘s wie Gott

Machs wie Gott

Gefühlt kenne ich dieses Zitat seit Beginn meiner Studienzeit. Zum ersten Mal sah ich es an eine Hauswand gesprayt. Es hat seither für mich nichts an seiner Aussagekraft eingebüsst. Gerade neulich kam es mir kurz hinter einander gleich zweimal in den Sinn:
Da echauffierte sich in einer Runde jemand darüber, dass die Bibel mit ihren Bildern heute nicht mehr verständlich sei. Statt von Jesus zu reden, würde es vollauf genügen, seine Botschaft der Menschwerdung weiterzugeben; ganz ohne den unverständlichen Ballast. So wird Menschwerdung verstanden als ein Entwicklungsprozess zur Menschlichkeit.
Solche eine Verkürzung der Menschwerdung ist mir persönlich zu wenig, wenn sie sich nicht ausdrücklich auf Gott und sein Bild vom Menschen bezieht: Worauf kann sich denn ein gemeinsames Bild von dem gründen, was Menschlichkeit ist? Was führt die Menschen voll guten Willens zusammen? Eine Weltformel gibt es nicht. Aber ich möchte sagen können, worauf ich mich beziehe: auf die Geburt Gottes als Mensch – schwach, bedürftig, angewiesen – die gerade in ihrer göttlichen Einmaligkeit den Rahmen steckt, in dem sich die Ideale der Menschlichkeit bilden. Ich zumindest will nicht auf die göttliche Seite der Menschlichkeit verzichten.
Wenige Tage später kam das Gespräch in einer ganz anderen Runde auf jene höhere Macht zu sprechen, die angeblich die Geschicke der Menschen schicksalhaft lenkt. Da ging es um eine sehr ferne, nicht fassbare, Schöpfungskraft, die wie ein Perpetuum Mobile immer weiter wirkt, Welt und Weltgeschehen beeinflusst und nicht viel nach dem freien Willen des Einzelnen fragt.
So fremd und fern begegnet der biblische Gott doch nicht! Gott spricht mit den Menschen, hört, begegnet überraschend menschlich, ist in Beziehung. Das klappt für mich gerade dadurch, dass Gott in Jesus Christus menschlich ganz nah gekommen ist. Nicht als Superheld, doch zur Nachfolge geeignet. Ich zumindest will nicht auf die menschliche Seite Gottes verzichten.
Beide Seiten stecken in dem kleinen Satz: „Mach’s wie Gott: werde Mensch!“

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