Schabbat

Gen 2,1 Und so wurden vollendet Himmel und Erde und ihr ganzes Heer.  2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. 3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte Gott von all seinem Werk, das er durch sein Tun geschaffen hatte. 4 Dies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel und Erde, als sie geschaffen wurden.

Am siebten Tag ruht Gott und bildet so mit seinem Verhalten die Institution des Schabbats ab. Es steht nicht, „Gott hielt den Schabbat“. Der Schabbat ist nichts, was ausserhalb von Gott wäre. Er selbst ist das Ruhen. Ruhen ist ein aktives Tun: Gott segnet und er heiligt den siebten Tag (1 Mose 2,2).
Der Religionsphilosophe Abraham Heschel schreibt zum Schabbat: „Arbeit ist eine Fertigkeit, vollkommene Ruhe aber ist eine Kunst. Sie ist das Ergebnis eines Einklangs von Körper, Geist und Phantasie. Um einen Grad an Vollkommenheit in der Kunst zu erreichen, muß man sich ihrer Ordnung unterwerfen, muß man der Trägheit abschwören. Der siebte Tag ist ein Palast in der Zeit, den wir bauen. Er besteht aus Einfühlsamkeit, Ausdruck der Freude und Suchen nach Ruhe. In seinem Bereich erinnert eine feste Ordnung an die Nähe zur Ewigkeit… Was ist so kostbar, daß es das Herz ergreift? Der Grund ist, daß der siebte Tag eine Goldgrube ist, wo man das kostbare Metall des Geistes finden kann, mit dem man den Palast in der Zeit baut, ein Bereich, in dem der Mensch bei Gott zu Hause ist, ein Bereich, in dem der Mensch bestrebt ist, der Gottesebenbildlichkeit nahezukommen … Die Liebe zum Sabbat ist die Liebe des Menschen für das, was er mit Gott gemeinsam hat. Daß wir den Sabbattag haben, ist ein Hinweis darauf, daß Gott den siebten Tag heiligte.“ (Aus: Abraham Heschel, Der Sabbat – seine Bedeutung für den heutigen Menschen, Neukirchen-Vluyn 1990)
Dieser „Palast in der Zeit“ ist gefüllt von Beziehungsgeschehen. Die biblische Sprache drückt mit den Worten Segnen und Heiligen aus. Die Schabbatgebote im Judentum sind darauf ausgerichtet, dass Beziehungen lebendig bleiben oder erst entstehen können: Der Gottesdienst pflegt die Nähe zum Ewigen, das gemeinsame Essen und Trinken die mitmenschlichen Beziehungen, das Lernen der Tora die geistigen Verbindungen und das Ausruhen das Zuhausesein im eigenen Körper.
Erst mit diesem Tag des Ruhens ist die Schöpfung vollendet.

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