Die Frage nach der Auferstehung

Kann der lebendige Gott auch im Totenreich anwesend tätig sein?

Diese Frage beschäftigte die Menschen vor etwas mehr als zweitausend Jahren. In der hebräischen Bibel finden wir Hinweise darauf, dass das Totenreich ein gottferner Ort ist, an dem keine Beziehung zum Gott der Lebendigen mehr besteht. Deshalb entstand erst relativ spät die Vorstellung von der Auferstehung von den Toten.
Es wird allgemein angenommen, dass die Martyriumserfahrungen im Makkabäeraufstand im 2. Jahrhundert vor Christus das Nachdenken über das Dasein nach dem Tod intensivierten. Die im Diesseits erfahrene Ungerechtigkeit liess sich nicht mehr in das Bild des gerechten Gottes integrieren. In den Reden der sieben Märtyrerbrüder und ihrer Mutter in 2 Makk 7* wird der Glaube an die Auferstehung nach und nach entfaltet:
– Gott ist ein Gott des Erbarmens (7,6); er straft zwar sein Volk, wenn es sündigt, durch fremde Gewaltherrscher (18; 32), aber das Leiden für ihn und seine Gebote wird nicht sinnlos sein (38).
– Gott wird diejenigen, die wegen der Treue zur Tora gestorben sind, zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken (9b: 14; 36a; 37a). Die Treue zu Gott steht in jedem Fall über dem Leiden und dem Tod.
– Gott, der den Körper geschaffen hat, kann denen, die um seinetwillen sterben, den Körper auch wieder geben (10). Gott ist derjenige, der den Menschen geschaffen hat und immer je neu schafft. „Er kennt die Entstehung aller Dinge“. Diese Schöpferkraft wird auch in Zukunft wirkmächtig sein (22-23). Gott hat die Macht, den durch Menschen zugefügten Tod zu überwin­den, wie er aus dem Nichts die Welt schaffen kann (28-29). Dieses Überwinden des Todes wird als Neuschöpfung verstanden.
Die­ses Wiedererschaffen des Körpers meint nicht den materiell selben Leib. Auferstehung wird hier in Analogie zur Erschaf­fung des Menschen bzw. zu seinem Werden im Mutterschoss verstan­den (7,22ff). Das heisst, Gott, der den Menschen vollkommen geschaffen hat, kann ihm den zerstörten Körper wieder neu erschaffen. Er ist derjenige, der im Tohuwabohu Neues schafft. Wie auch immer diese Neuschöpfung sein wird.
Die Erfahrung von Willkür und Gewalt macht ein Nachdenken über die Würde des Menschen und über Gerechtigkeit notwendig und gibt Hoffnung.
Die Gefahr bei der Verbindung der Auferstehung mit dem Martyrium ist die Vernachlässigung des Kampfes gegen Ungerechtigkeit, Leiden und Krieg in dieser Welt. Es wäre ein Missver­ständnis zu meinen, Gott hätte Freude am Martyrium und würde es im Jenseits mit der Auferstehung belohnen.  Das Leiden und das Unrecht werden auch in den Makkabäerbüchern mit keiner Silbe gerecht­fertigt. Es wird lediglich der verzweifelte Versuch unternommen, angesichts der unwürdigen Behandlung durch den Herrscher die eigene Würde zu bewahren.
Die Auferstehungshoffnung ist also eine Hoffnung der Unterdrückten, Leidenden und Rechtlosen. Aus dem Mund der Mächtigen und Gewaltbereiten wird sie zur zynischen Vertröstung. Ausübung von politischer Macht muss immer gekoppelt sein an ge­rechtes Handeln. Die Mächtigen haben die Pflicht dafür zu sorgen, dass Auferstehung – Aufstehen, aufrechter Gang, Gerechtigkeit und Schutz des Lebens –  schon im Diesseits Wirklichkeit ist.

*Die Makkabäerbücher gehören zu den sogenannten deuterokanonischen Schriften oder Apokryphen des Alten Testaments. Es gibt aber Bibelausgaben, die diese Schriften ebenfalls abdrucken, so Ausgabe 2019 der Zürcher Bibel.
Am 20. Januar 2019 wird die Bibel im Rahmen eines ökumenischen Festanlasses zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation vorgestellt.
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