Karsamstag

Jesus stirbt nach dem Johannesevangelium an einem Freitag vor dem Pessachfest als im Tempel die Pessachlämmer geschlachtet wurden und vor einem Schabbat. Er wird noch vor Anbruch dieses hohen, doppelten Feiertages ins Grab gelegt und bleibt über den Schabbat und den ersten Pessachtag dort. Alle vier Evangelien schweigen sich hartnäckig über diesen Tag aus. Es gibt über diesen Tag nichts zu erzählen. Die Zeitangaben Schabbat und Pessach deuten aber trotzdem an, dass der Tag bedeutungsvoll ist.
Schabbat bedeutet, Gott ruht von all seinem Werk. Er ist nicht schöpferisch tätig – ist da, zeigt sich aber nicht mit kreativem Tun sondern mit Dasein. Er ist in absichtsloser Beziehung gegenwärtig. Das Pessachfest wiederum erinnert daran, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hat. Er befreit, führt durch die Wüste, rettet am Schilfmeer: Der Durchgang durch das Schilfmeer ist eine Erzählung von Rettung aus dem Tod, der im Chaoswasser des Meeres drohte.
Das Johannesevangelium legt nicht zufällig diese beiden Feiertage aufeinander: Gott ruht und rettet zugleich: Jesus liegt im Grab, Gott ruht – nach aussen ist Totenstille aber die rettende Gottesbeziehung bleibt lebendig.
Die Erfahrung der Zurückgebliebenen ist Leere, Trauer, Abschied, Verlust. Dieses Nichts des Karsamstags muss ausgehalten werden. Die Rettung ist nur Erinnerung an den Exodus.
Das Aushalten der Leere ist nicht einfach. Die kirchliche Tradition hat die Leere mit der Vorstellung gefüllt, dass Jesus ins Totenreich hinabsteigt, und die Toten erlöst. Ich würde weni­ger mythologisch sagen, dass auch am absoluten Nullpunkt das Tote mit Gott in Berührung bleibt oder dass „Gott im Tode ist“, sich mit ihm vereinigt. Aber was da geschieht, bleibt ein Geheimnis. Wir haben nur Sprachbilder als Annäherungen an dieses Geschehen. Das einzig Sichere ist, dass Gott auch als ruhender einer ist, der rettend da ist.

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