Blutsbrüderschaft

Erinnern sie sich an die Bücher von Karl May?

Intschu tschuna entblößte den Vorderarm seines Sohnes, um ihn mit dem Messer zu ritzen. Es quollen aus dem kleinen, unbedeutenden Schnitte einige Blutstropfen, welche der Häuptling in die eine Wasserschale fallen ließ. Dann nahm er mit mir dieselbe Prozedur vor, bei welcher einige Tropfen in die andere Schale fielen. Winnetou bekam die Schale mit meinem Blute und ich die mit dem seinigen in die Hand; dann sagte Intschu tschuna:

»Die Seele lebt im Blute. Die Seelen dieser beiden jungen Krieger mögen ineinander übergehen, daß sie eine einzige Seele bilden. Was Old Shatterhand dann denkt, das sei auch Winnetous Gedanke, und was Winnetou will, das sei auch der Wille Old Shatterhands. Trinkt!«“ (Winnetou I)

 

Wussten Sie, dass dieser Gedanke der Blutsbrüderschaft (oder besser: der Blutsgeschwisterschaft) auch in der christlichen Tradition zu finden ist?

«Heute geht aus seiner Kammer/ Gottes Held,/ der die Welt/ reisst aus allem Jammer./

Gott wird Mensch: / dir, Mensch, zugute, /

Gottes Kind, / das verbindt / sich mit unserm Blute.» RG 401, 2

 

Diese Blutsvergeschwisterung macht Mensch und Gott zu Wahlverwandten. Das wirkt sich auf die Art und Qualität der Beziehung aus: Anstelle des hierarchischen Gefälles tritt eine Verbundenheit, die weit über die emotionale Augenblicksverliebtheit hinausreicht, die den Anspruch erhebt, ein Leben lang zu gelten. Sie ist mehr als Freundschaft und wohl auch mehr als genetische Verwandtschaft, eben weil sie gewählt und bekräftigt und besiegelt worden ist.

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