Sei gegrüsst

Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Willy Fries Wattwil

Wahrscheinlich kennen Sie dieses Bild aus der Grossen (Toggenburger) Passion von Willy Fries besser als ich – obwohl mir die Bilder bereits in Hamburg begegnet sind[1]. Mich haben diese Bilder immer auf eigenartige Weise abgestossen und fasziniert zugleich. Dieser Ausschnitt aus dem Zyklus heisst „DORNENKRÖNUNG. Sei gegrüsst lieber Judenkönig.“ (Mt 27,29) Die Militär-Uniformen, die Aktualisierung und die brutal entmenschlichende Ignoranz der Folterknechte – die ohne jedes ersichtliches Mitgefühl ihren Spass an der Entwürdigung ihres Gefangenen haben, oder mit leerem Blick ins nirgendwo starren, sich offenbar innerlich entrücken, ohne äusserlich einzugreifen – verhindern, dass sich irgendjemand dieser Szene entziehen kann.

„Innere Emigration“ war eine Zeit lang ein geradezu populärer Begriff. So sich vermeintlich die Verhältnisse nicht ändern lassen, da zieht man sich in sich selbst zurück und versucht, unter dem Radar der Schergen unsichtbar zu bleiben.

Doch mit welch fatalen Folgen! Man verliert sich selbst, wo man einem anderen Menschen die Würde des Menschseins abspricht; denn wer im anderen nicht Gottes Ebenbild sieht, kann auch sich selbst nur als verzerrende Karikatur Gottes wie des Menschen sehen. Es bleibt unbegreiflich, wie Menschen zu so unmittelbarer Grausamkeit fähig sind. Und Willy Fries hat das in anrührenden Bildern darzustellen gewusst.


[1] Fries, Willy, Passion. Zürich, Orell Füssli, 1976

ISBN 10: 3280008603 / ISBN 13: 9783280008607

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