Essen

Brot brechen

Lk 24 (Zwei Jünger sind nach Jesu Tod auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Jesus gesellt sich unerkannt dazu) 28Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie unterwegs waren, und er tat so, als wolle er weitergehen. 29Doch sie bedrängten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein und blieb bei ihnen. 30Und es geschah, als er sich mit ihnen zu Tisch gesetzt hatte, dass er das Brot nahm, den Lobpreis sprach, es brach und ihnen gab. 31Da wurden ihnen die Augen aufgetan, und sie erkannten ihn. Und schon war er nicht mehr zu sehen.

Aus den Händen die ein frisch gebackenes Brot brechen

Es ist die Aufgabe des Hausherrn, das Brot zu teilen. Wohin Jesus auch kam und kommt, teilt er das Brot stellvertretend für den göttlichen Vater, dem eigentlichen Gastgeber jeder Mahlzeit. Oft genug konnten die beiden Jünger Jesus zu seinen Lebzeiten beobachten, wie er das Brot teilte. An der Art, wie eine Person ein Brot teilt, ist sie zu erkennen: respektvoll, andächtig, gierig, routiniert, dankbar, skeptisch, erwartungsvoll.

Essen

Tischlein deck dich

Die Organisation «Tischlein deck dich» beschreibt ihr Engagement auf der Website:

«In der Schweiz werden jährlich 2,8 Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel vernichtet. Andererseits leben hier gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 735’000 Menschen am oder unter dem Existenzminimum.
Tischlein deck dich rettet Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie armutsbetroffenen Menschen in der ganzen Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Pro Woche erreichen wir an unseren 134 Abgabestellen rund 21’000 Menschen in Not. Damit leisten wir einen sozial sinnvollen und ökologisch nachhaltigen Beitrag zum respektvollen Umgang mit Lebensmitteln.
Der Verein Tischlein deck dich ist eine Initiative aus der Wirtschaft. Getragen von Vernunft, Professionalität und Engagement. Tischlein deck dich ist ISO 9001 zertifiziert.»

Der Verein ist konfessionslos, aber sowohl mit Geldspenden wie auch Freiwilligenarbeit beim Herrichten der Lebensmittelpakete, engagieren sich Kirchen aus dem Gedanken der Nächstenliebe. Noch nie war es in der Schweiz so einfach, die Aufforderung Jesu «gebt ihr ihnen zu essen» umzusetzen – es ist wirklich genug für alle da. LK 9,13

Essen

Take away

Bild: Improvisierte Werbung beim Kultur Kaffi Bâle

Die Idee von Take Away ist nicht neu: Essen wird an einem Ort zubereitet und an einem anderen Ort verzehrt. Unter Coronabedingungen ist es aber nicht mehr nur eine Alternative zu einem Restaurantbesuch, sondern die einzige Möglichkeit ein Essen zu geniessen, ohne selbst zu kochen.

Noch nie sind so viele warm eingepackte und doch fröstelnde Menschen irgendwo in kleinen Gruppen draussen gesessen und haben in der Öffentlichkeit gegessen. Das hat wenig von einem gemütlichen romantischen Picknick. Die Intimität eines geschützten Raumes zum gemeinsamen Essen fehlt.

Im neuen Testament wird sowohl im öffentlichen wie im privaten Raum gegessen. Geht Jesus bei Freunden, Zöllnern oder Sündern ins Haus und isst dort, entstehen im Schutz der Gastfreundschaft persönliche Gespräche, die berühren und die Seelen weit machen. Deshalb ist zu hoffen, dass sich zum «take away» bald wieder das «take in» gesellt – wir brauchen es.

Essen

«Kommt und esst!»

Brotvermehrungskirche in Tabgha, Mosaik: vier Brote und zwei Fische

Nach seiner Auferstehung erscheint Jesus am Ende des Johannesevangeliums in Galiläa. Johannes 21,1-14

Wie so oft erzählt Johannes auch hier zwei Geschichten auf einmal.

Die erste Geschichte erzählt von einem verblüffend guten Fischfang nach einer erfolglosen Nacht auf dem See. Wir finden diese Erzählung auch in den synoptischen Evangelien – dort steht sie jeweils am Anfang des Wirkens von Jesus: Der grosse Fischfang führt dazu, dass die Fischer sich mit Jesus auf den Weg machen.

Am Ende des Johannesevangeliums wird mit dem Fischfang erzählt, wie sich die Jünger in ihrer Berufung neu zurechtfinden: Die Jünger sind nach dem Tod Jesu halt- und orientierungslos. In dieser Situation tun sie das, was sie schon vor der intensiven Zeit mit Jesus gut konnten: Fischen. Das ist keine schlechte Idee, um eine Lebenskrise zu bewältigen – die Rückbesinnung auf die eigenen Fähigkeiten bringt Licht ins innere Chaos. Nach der erfolglosen Nacht auf dem See ist es aber mehr als fraglich, ob es ein Zurück hinter den Weg mit Jesus in den vergangenen drei Jahren gibt. Dass der Fischfang dann entgegen aller Fischerweisheit am hellheiteren Tag gelingt, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es gerade nicht um eine Rückkehr zum Berufsfischen geht, sondern um eine neue Tätigkeit «im Licht der Welt».

Die zweite Geschichte, die Johannes erzählt, ist deshalb eine Geschichte von Ab- und Anwesenheit der Gottesgegenwart. Jesus ist tot. Die Jünger vermissen ihn. Aber seine göttliche Anwesenheit ist trotzdem da – unerkannt im Alltag der Jünger bis diese lernen, nachösterlich neu zu sehen. Sie erkennen die göttliche Gegenwart im vollen Netz und im einfachen Satz «Kommt und esst!» Bei Johannes hört die Erzählung hier auf, im Leben der Jünger ist es ein Neubeginn: Ein Leben in der nährenden Gegenwart des Auferstandenen.

Essen

Food waste

Lk 9 11Als die Leute aber davon erfuhren, folgten sie ihm. Und er liess sie zu sich kommen und sprach zu ihnen über das Reich Gottes und heilte, die der Heilung bedurften.12Und der Tag begann sich zu neigen. Da kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Entlass die Leute, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen und ein Nachtlager und etwas zu essen finden können. Denn hier sind wir an einem abgelegenen Ort. 13Da sagte er zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie aber sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, wir würden uns aufmachen und für alle diese Leute etwas zu essen kaufen. 14Es waren nämlich die Männer allein schon an die fünftausend. Da sagte er zu seinen Jüngern: Lasst sie sich lagern in Gruppen zu etwa fünfzig. 15Und so taten sie und liessen alle sich lagern. 16Da nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis über sie und brach sie und liess sie von den Jüngern dem Volk vorsetzen. 17Und sie assen und wurden alle satt. Und man sammelte die Brocken, die übrig geblieben waren, zwölf Körbe voll.

Zählen wir zu den 5‘000 Männern noch etwa gleichviele Frauen und noch einmal so viele Kinder dazu, kommen wir auf eine unglaubliche Zahl von ca 15‘000 Menschen. Ein kleines OpenAir-Festival ohne technisches Equipment. Und wie bei jedem Festival ist die Versorgung der Menschen eine logistische Herausforderung. „Gebt ihr ihnen zu essen“, sagt Jesus geradezu sorglos und bringt es fertig, dass alle satt werden.

Das braucht man nicht wörtlich zu nehmen. Die Frage ist nicht, welche Zauberkräfte Jesus eingesetzt hat. Doch die Aufforderung Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen“ ist beim Wort zu nehmen. Nicht erst in einer Hungersnot ist die diakonische Fürsorge der Jünger*innen gefragt, sondern im Alltag ebenso wie an einem Fest(ival). Es ist genug für alle da, wenn wir es teilen. Und es bleibt sogar noch eine verhältnismässig überschaubare Menge übrig – wie an jedem Festival. Doch statt bestenfalls in Kübel entsorgt, im schlechteren Fall am Boden zertreten, wird bei Jesus der Rest sorgsam in Körbe gesammelt und zum weiteren Gebrauch aufgehoben. Ein Gegenbeispiel zum Food waste.

Essen

Der Auferstandene isst!

Das kann als Ausdruck seiner physischen Präsenz verstanden werden: „Lk 24 36Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte, und er sagt zu ihnen: Friede sei mit euch! 37Da gerieten sie in Angst und Schrecken und meinten, einen Geist zu sehen. 38Und er sagte zu ihnen: Was seid ihr so verstört, und warum steigen solche Gedanken in euch auf? 39Seht meine Hände und Füsse: Ich selbst bin es. Fasst mich an und seht! Ein Geist hat kein Fleisch und keine Knochen, wie ihr es an mir seht. 40Und während er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und Füsse. 41Da sie aber vor lauter Freude noch immer ungläubig waren und staunten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? 42Da gaben sie ihm ein Stück gebratenen Fisch; 43und er nahm es und ass es vor ihren AugenLk 24 Zürcher Bibel

Für Lukas ist es offenbar wichtig, die Auferstehung Jesu Christi als eine reale, körperliche Wirklichkeit darzustellen und nicht nur als ein geistiges Geschehen, in dem es zur Auferstehung eines Christus-Gedankens kommt. Sein Leben lang hat Jesus mit den Menschen gegessen. In jeder gemeinsam genossenen Mahlzeit wird das Gottesreich sichtbar. Und diese Tradition setzt der Auferstandene nun fort. Die Jünger*innen reichen ihm jedoch kein Brot, sondern Fisch: sie teilen ihr Alltagsmahl mit ihm – und vielleicht denkt, wer mit der Bibel vertraut ist, auch an das Speisungswunder, als fünf Brote und zwei Fische für 5’000 Menschen reichte Mt 14,17 Züricher Bibel. Jesu Leben geht auch nach dem Tod so weiter, wie es vorher gewesen war.

Erde tut sich auf

Fürchte dich nicht!

Die Worte werden zu den Hirten auf dem Feld gesagt und zu Maria, die mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen muss, als sie schwanger wird. Von Gen 15,1 bis Offb 1,17 zieht sich die Aufforderung durch die gesamte Bibel und mindestens im ersten Testament wird sie in Situationen hineingesprochen, die wirklich bedrohlich und beängstigend sind, wie auch das Erdbeben, mit dem der Stein von Jesu Grab rollt. Gottes Gegenwart kann furchterregend sein – und so kann niemand Gott sehen ohne zu sterben (Gen 32,23-33; 1Kön 19,11f) .

Doch Gott selbst fordert auf, nicht im Schrecken zu verharren, vielmehr darüber hinauszusehen auf das, was jenseits der Furcht liegt: die Zusage göttlicher Gegenwart, die stärkt und ermächtigt, die erlöst und mit dem Namen eine eigenständige Existenz eröffnet, wird besonders bei Jesaja durch eine Erklärung ergänzt: „Fürchte dich nicht, denn ich…“ und es folgt eine Selbsterklärung Gottes.

Jes 41 10Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir!
Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!
Ich mache dich stark, ja, ich stehe dir bei!
Ja, ich halte dich mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit!
Jes 43 Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst,
ich habe dich bei deinem Namen gerufen,
du gehörst zu mir.
2Wenn du durch Wasser gehst – ich bin bei dir,
und durch Flüsse – sie überfluten dich nicht.
Wenn du durch Feuer schreitest, wirst du nicht verbrannt,
und die Flamme versengt dich nicht.
3Denn ich, der Herr, bin dein Gott, der Heilige Israels, dein Retter.

Erde tut sich auf

Schlüpfendes Küken

Katharina lebte vor langer Zeit in der Stadt Alexandria. Damals herrschte dort Maxentius, der Kaiser von Rom. Eines Tages kam er in die Stadt Alexandria. Er hatte erfahren, dass Katharina eine Christin war. Deswegen ließ er sie zu sich kommen. Sie sollte ihm von Jesus erzählen. Katharina kannte viele Geschichten von Jesus. Der Kaiser hörte aufmerksam und gespannt zu. Ihm gefiel das, was Jesus unter den Menschen getan hatte. Alle seine Ratgeber wunderten sich über das Verhalten des Kaisers. Er hatte nämlich in den vergangenen Jahren die Christen verfolgt – und sogar viele getötet. Katharina erzählte vom Leben Jesu und von seinem Sterben. Schließlich erzählte sie auch davon, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Von den Toten auferstanden? fragte der Kaiser verblüfft. Katharina nickte. Da lachte der Kaiser laut auf und rief: Das will ich dir nur glauben, wenn du aus einem toten Stein neues Leben erwecken kannst.

Katharina ging nachdenklich davon. Aber dann kam ihr eine Idee. Sie kaufte von einem Bauern ein fast ausgebrütetes Entenei. Damit ging sie am nächsten Tag zum Kaiser. Na, willst du es versuchen? spottete der. Sie nahm das Ei und hielt es ihm entgegen. Die junge Ente riss von innen einen Spalt in die Schale. Der Kaiser sah geduldig zu, wie das kleine Tier sich aus dem Ei befreite. Sein Gesicht veränderte sich. Er spottete nicht mehr. Scheinbar tot, sagte Katharina. Scheinbar tot und doch Leben. Noch lange erzählte man sich, wie nachdenklich der Kaiser durch dieses Beispiel geworden war.

So ist das Ei zum Osterei geworden als Zeichen für das Wunder an Ostern: Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Er lebt!

Nach einer Erzählung von Willi Fährmann

Erde tut sich auf

Fürchtet euch nicht!

5Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Denn ich weiss, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6Er ist nicht hier, denn er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat. Kommt, seht die Stelle, wo er gelegen hat.

8Und sie gingen eilends weg vom Grab voller Furcht und mit grosser Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu berichten. Matthäus 28,5.6.8

«Fürchtet Euch nicht!» Nicht einmal der Zuspruch des Engels konnte die Furcht besänftigen, nicht die frohe Botschaft, nicht das eigene Begreifen des unvorstellbar Wunderbaren, das geschehen ist.

Die Furcht aber bekommt eine neue Farbe: Anfangs war es ein Erschrecken über die Leere des Grabes und das Getöse und die Erschütterung, die das Erscheinen des Göttlichen begleitete. Die Furcht vor der Gottesgegenwart ist berechtigt – Gott ist zu gross und zu intensiv als dass die Frauen sich einfach entspannen könnten. In der kurzen Zeit am Grab am Ostermorgen begreifen sie aber auch, dass diese unendliche Gottesgegenwart sie nie mehr verlässt – sie ist im und am Grab, bei den trauernden Jüngerinnen und Jüngern, die gleich alles hören werden, in Galiläa, ihrer Heimat, und in der Fremde Jerusalems. Zur Furcht gesellt sich die Freude. Wer kann da noch sitzen bleiben? Furcht und Freude – in dieser aufgewühlten Verfassung eilen die Frauen am Ostermorgen nachhause. Haben Sie diese Mischung selbst auch schon erlebt?

Erde tut sich auf

Asphalt platzt

Bekommt eine Asphaltdecke Risse, kann sich im Riss ein Same einnisten, keimen und mit seinen feinen Wurzeln bis ins Erdreich zur Nahrung vordringen. Die Mischung von lebendiger Pflanze, Wasser, Licht und Erde macht es, dass die Pflanze den Asphalt immer mehr in Bewegung bringt, aufbricht und die schwarze Wüste wieder lebendig wird.

Der Riss wird zum Segen. Leonhard Cohen besingt in seinem «Anthem» diesen Riss, durch den Leben und Licht in jede Dunkelheit dringt: There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.

Text und deutsche Übersetzung