Essen

«Kommt und esst!»

Brotvermehrungskirche in Tabgha, Mosaik: vier Brote und zwei Fische

Nach seiner Auferstehung erscheint Jesus am Ende des Johannesevangeliums in Galiläa. Johannes 21,1-14

Wie so oft erzählt Johannes auch hier zwei Geschichten auf einmal.

Die erste Geschichte erzählt von einem verblüffend guten Fischfang nach einer erfolglosen Nacht auf dem See. Wir finden diese Erzählung auch in den synoptischen Evangelien – dort steht sie jeweils am Anfang des Wirkens von Jesus: Der grosse Fischfang führt dazu, dass die Fischer sich mit Jesus auf den Weg machen.

Am Ende des Johannesevangeliums wird mit dem Fischfang erzählt, wie sich die Jünger in ihrer Berufung neu zurechtfinden: Die Jünger sind nach dem Tod Jesu halt- und orientierungslos. In dieser Situation tun sie das, was sie schon vor der intensiven Zeit mit Jesus gut konnten: Fischen. Das ist keine schlechte Idee, um eine Lebenskrise zu bewältigen – die Rückbesinnung auf die eigenen Fähigkeiten bringt Licht ins innere Chaos. Nach der erfolglosen Nacht auf dem See ist es aber mehr als fraglich, ob es ein Zurück hinter den Weg mit Jesus in den vergangenen drei Jahren gibt. Dass der Fischfang dann entgegen aller Fischerweisheit am hellheiteren Tag gelingt, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es gerade nicht um eine Rückkehr zum Berufsfischen geht, sondern um eine neue Tätigkeit «im Licht der Welt».

Die zweite Geschichte, die Johannes erzählt, ist deshalb eine Geschichte von Ab- und Anwesenheit der Gottesgegenwart. Jesus ist tot. Die Jünger vermissen ihn. Aber seine göttliche Anwesenheit ist trotzdem da – unerkannt im Alltag der Jünger bis diese lernen, nachösterlich neu zu sehen. Sie erkennen die göttliche Gegenwart im vollen Netz und im einfachen Satz «Kommt und esst!» Bei Johannes hört die Erzählung hier auf, im Leben der Jünger ist es ein Neubeginn: Ein Leben in der nährenden Gegenwart des Auferstandenen.

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