Über die Reparatur der St. Pauluskirche zu Köln

st-paulus-koeln

http://www.misterhonk.de/blog/2541/rechnung-uber-die-reparatur-der-st-pauluskirche-in-koln-aus-dem-jahr-1941/

Es ist wohl kaum anzunehmen, dass diese Rechnung „echt“ ist, auch wenn sie auf einem alten Formular mit einer alten Schreibmaschine geschrieben worden ist: so schön stimmig, zweideutig und komisch kann es im wirklichen Leben wohl kaum zugehen.

Doch möchte ich mir vorstellen, die eine oder andere Zeile könnte „echt“ sein, also von einem richtigen Handwerker in einer richtigen Rechnung als Arbeitsvorgang beschrieben, im Einzelfall sicher in aller naiven Harmlosigkeit, und erheiternd finde ich diese Art, Volksfrömmigkeit zu betreiben, auch.

Wirklich zum Schmunzeln bringt mich allerdings, wenn jemand diesem Schabernack doch noch theologischen Sinn abgewinnen möchte: https://www.kath.ch/newsd/heiligen-geist-gemahlt/

Paraklet

Nur das Johanneische Schriftwerk verwendet für den Geist Gottes das Wort „Paraklet“, wörtlich „Aufgeforderter“/ „Herbeigerufener“ (Joh 14,16.26; 15,26; 16,7 und 1Joh 2,1). Das Wort stammt eigentlich aus der Gerichtspraxis und meint eine Person, die zur Unterstützung vorgeladen oder zugezogen wird, im Sinne eines Vermittlers, Beistandes oder Fürsprechers. Der Paraklet ist weniger Anwalt vor Gericht als „Zeuge der Verteidigung“, also jemand, der zugunsten eines anderen auftritt.

Damit wird der Paraklet zum Helfer; von Martin Luther als „Tröster“ übersetzt, weist das Wort mehr auf Ermutigung in schwierigen Situationen als auf Trost in Traurigkeit hin. Da Jesus diesen Paraklet dem ersten Kreis von Jüngerinnen und Jüngern an Stelle der eigenen Person, also stellvertretend in Aussicht stellt (siehe Joh 16,7), wird er auch als Stellvertreter Jesu bezeichnet.

Interessanter Weise bezeichnet 1Joh 2,1 Jesus als Paraklet und es wäre aufschlussreich zu ergründen, in welchem der oben genannten Sinnzusammenhänge der Paraklet hier verstanden wird.

In jedem Fall ist die Funktion des Parakleten jedoch, Menschen zu ermutigen, sie aufzurichten und sie bei ihrer – spirituellen – Selbstwerdung zu unterstützen.

Abendmahl zu Pfingsten

Pfingsteucharistie

Da sitzen alle um einen Tisch: Maria von Nazareth und der Zwölferkreis. Das ist auch schon alles, was dieses Bild mit dem Pfingstfest verbindet, denn alles andere ist ins Bild gebrachte Theologie:

  • Am runden Tisch fallen rote Linien auf, die sich von einem Kreis in der Mitte zum Mund von jeder einzelnen Person hinziehen: ob sie die „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,3) symbolisieren? Auf jeden Fall wird sichtbar, wie kon-zentriert die Menschen um den Tisch versammelt sind (Mt 18,20) : aufmerksam hörend auf die Gestalt, von der nur der Hinterkopf zu sehen ist
  • Marias Hände sind in der Geste der Anbetung vor der Brust zusammengelegt – von den anderen Menschen am Tisch ist jeweils höchstens eine Hand zu sehen, nicht in der Gebetshaltung sondern gestikulierend: erinnert diese Geste daran, dass Maria „alle diese Worte (behielt) und bewegte sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,51 uö)? Die goldene Wand und die Sitzbank aus Blumenranken sind unräumlich, zart ziseliert, „nicht von dieser Welt“ und wecken den Anschein, als befinde sich der Tisch bereits im „Reich Gottes“, von dem in der Pfingsterzählung nirgends die Rede ist.
  • Eine Taube, die sich – wie ein Raubvogel – senkrecht aus dem Himmel stürzt, trägt weder einen Ölzweig wie bei Noa (Gen 8,11), noch ein Spruchband wie bei der Ankündigung der Geburt oder der Taufe Jesu, sondern eine Hostie, wie sie in der Eucharistiefeier den Leib Christi präsentiert.
  • Die runde Tischmitte sieht wie ein Loch aus. Doch ist dieses zu klein, um die Hostie aufzunehmen. Es könnte – in der Tradition der Mystik – auf die Leere hindeuten, die Gott ist.
     

    Erzählt der Maler also, dass sich schon der erste Kreis um Jesus an Pfingsten zum Abendmahl gesammelt hatte? Erzählt er, dass die Taube – die in der Regel die Heilige Geistkraft darstellt – die Oblate/Hostie mit dem Sinn erfüllt, der begreifen lässt, was das Abendmahl bedeutet?

    Ich kenne die Antwort nicht – aber das Bild regt mich an, es wieder und wieder zu betrachten und darüber nachzudenken.

    Die runde Tischmitte sieht wie ein Loch aus. Doch ist dieses zu klein, um die Hostie aufzunehmen. Es könnte – in der Tradition der Mystik – auf die Leere hindeuten, die Gott ist.

 

Johanni

Der Tag, der an Johannes den Täufer (http://www.bildindex.de/document/obj07930315 ) erinnert, ist im Jahreskreis genau das Gegenstück zum Heiligabend. An beiden Tagen wird die Geburt eines Kindes gefeiert: von Jesu Geburt erzählt das Weihnachtsfest, an die Geburt Johannes des Täufers erinnert das Johannisfest. Weihnachten wurde von den Kirchenväter auf die Zeit der Wintersonnenwende gelegt, um damit auf die theologische Aussage zu verweisen, dass Jesus das Licht der Welt sei (Joh 8,12), das von nun an sinnenfällig wieder zunimmt. Ebenso bestimmten sie  das Johannifest von zwei Bibelstellen her: in Lk 1,36 wird erzählt, dass Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer, im sechsten Monat schwanger war, als der Engel Maria die Geburt ihres Sohnes Jesus ankündigte. Und gemäss Joh 3,30 sagt Johannes von sich und Jesus: „Jener muss grösser werden (wachsen, zunehmen), ich aber geringer.“ Mit dem Abstand von 6 Monaten und dem Lichtsymbol der Sonne passt die Geburt von Johannes theologisch also wunderbar in die Zeit der Sommersonnenwende, wenn von nun an das Licht wieder abnimmt, geringer wird.

Der vorüberziehende Gott

Niemand kann Gott sehen – und doch tragen Menschen die Sehnsucht in sich, Gott zu sehen. Davon erzählt Ex 33,18-23 wie auch 1Kön19,9-13: Mose wie Elija dürfen sich in eine Felsspalte stellen und miterleben, dass Gott an ihnen vorüberzieht – aber sehen können sie ihn nicht.

Daran erinnert der Film  http://www.esthermathis.com/66:

Nehmen Sie sich sechs Minuten Zeit und entdecken Sie den vorüberziehenden Gott!

Wenn dir ein Licht aufgeht

Wenn dir ein Licht aufgeht, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.
Wenn in dir ein Feuer brennt, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.
Wenn dir die Ohren brausen vor Glück, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.

Wenn dein Gesicht hell wird, damit andere sehen;
Wenn dein Feuer andere wärmt;
Wenn deine Ohren brennen von der guten Nachricht;
die andere froh macht, dann kannst du sagen:
Das ist der Heilige Geist.

Augustinus zugeschrieben

Wind und Wetter

Ruach (hebräisch) und pneuma (griechisch) bedeuten auf Deutsch Geist, Atemhauch oder auch Wind. Die Theologie fragt vor allem nach Geist und Atem Gottes – aber was ist eigentlich mit dem Wind?

Wind, Wolken und Regen – wie entsteht Wetter?

Von der Sonne erzeugt ist er vielleicht auch Gottes Atem?

Ezechiel 37

In den Lücken steht im hebräischen Text jeweils Ruach = Wind, Atem, Lebens(kraft), Geist, Geistkraft. Lesen Sie den Text, indem Sie die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten in die Lücken setzen. Wie verändert sich der Text je nach Übersetzung?
 

1Die Hand des HERN war auf mir, und durch ___________ des HERRN führte er mich hinaus, und mitten in der Ebene liess er mich nieder, und diese war voller Gebeine. 2Und er führte mich an ihnen vorbei, rings um sie herum, und sieh, in der Ebene waren sehr viele, und sieh, sie waren völlig vertrocknet. 3Und er sprach zu mir: Du Mensch, werden diese Gebeine wieder lebendig werden? Und ich sprach: Herr, HERR, du weisst es. 4Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr vertrockneten Gebeine, hört das Wort des HERRN! 5So spricht Gott der HERR, zu diesen Gebeinen: Seht, ich lasse ____________ in euch kommen, und ihr werdet leben. 6Und ich gebe euch Sehnen und lasse Fleisch wachsen an euch, und ich überziehe euch mit Haut und lege  ___________ in euch, und ihr werdet leben, und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin. 7Und ich weissagte, wie es mir geboten worden war, und als ich geweissagt hatte, war da ein Lärmen, und sieh, ein Beben, und Gebeine rückten aneinander, eines an das andere. 8Und ich schaute hin, und sieh, auf ihnen waren Sehnen, und Fleisch war gewachsen, und darüber zog er Haut, ___________  aber war nicht in ihnen. 9Und er sprach zu mir: Weissage über  ___________, weissage, Mensch, und sprich zum ___________: So spricht Gott der HERR: ___________, komm herbei von den vier  ___________  und hauche diese Getöteten an, damit sie leben. 10Und ich weissagte, wie er es mir geboten hatte, und  ___________  kam in sie, und sie wurden lebendig und stellten sich auf ihre Füsse, ein sehr, sehr grosses Heer. 11Und er sprach zu mir: Du Mensch, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel! Sieh, sie sagen: Unsere Gebeine sind vertrocknet, und unsere Hoffnung ist dahin. Wir sind abgeschnitten! 12Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Seht, ich öffne eure Gräber, und ich lasse euch, mein Volk, aus euren Gräbern steigen und bringe euch auf Israels Boden. 13Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern steigen lasse. 14Und ich werde meine(n)  ___________  in euch legen, und ihr werdet leben, und ich werde euch auf euren Boden bringen, und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin. Ich habe gesprochen, und ich werde es tun! Spruch des HERRN.

Idee: D. Dieterich

Bibelübersetzung: Zürcher Bibel.

 

 

Zuwenig Anerkennung: Heiliger Geist verlässt Dreifaltigkeit

Diese garantiert unter Fake-News einzuordnende Schlagzeile erschien Pfingsten 2011 in der online-Satirezeitschrift „Der Postillion“ (http://www.der-postillon.com/search?q=heiliger+Geist). Anlass für den Zwist sei eine systematische Diskriminierung seitens der beiden meist in menschlicher Gestalt dargestellten Personen – mit der Taube habe er, der Heilige Geist, da echt den Schwarzen Peter gezogen. Deshalb plane jetzt als Solo-Gott eine eigene Karriere. Im Artikel erklären Gott Vater und Gott Sohn den Heiligen Geist für verzichtbar.

Dies erinnerte mich an eine Bibliodrama-Szene zum Thema Trinität vor ein paar Jahren. Gott Vater und Sohn verhakten sich in heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn des Kreuzes und der Heilige Geist sass stumm daneben. Er kam nicht zu Wort und hätte, wäre er zu Wort gekommen, auch nicht viel zu sagen gehabt. Nachträglich stellte sich mir die Frage, ob die Geistkraft überhaupt hätte etwas sagen müssen. Vielleicht hätte der Heilige Geist auch einfach aufstehen (und damit die Spielanleitung durchbrechen müssen) und die beiden Streithähne durch Berührung, Bewegung und unerwarteten Liebeserklärungen in ein neues Miteinander bringen sollen. Jedenfalls zog ich damals nicht den Schluss, dass die Heilige Geistkraft überflüssig gewesen wäre. Es herrschen aber in den Kirchen Spielregeln, die ihr das Wirken schwer machen. Es spricht nichts dagegen, mit der Heiligen Geistkraft zusammen diese Spielregeln in einen spielerisches Miteinander zu verwandeln.

Oder anders gesagt: Verhindern wir mit geeinten Kräften den Austritt der Heiligen Geistkraft aus der Trinität. Ihre dynamische Kraft würde sehr fehlen.