Stricken am Morgen…

Stricken am Morgen

Kummer und Sorgen.

Stricken am Abend

Erquickend und labend.

Lange habe ich diesen Satz nicht wirklich verstanden.

Meine Grossmutter strickte eigentlich immer und selbstverständlich auch am Morgen. Doch ich hatte nie den Eindruck, dass sie „Kummer und Sorgen“ hatte. Abends sassen die Frauen und wir Mädchen zusammen und strickten, erzählten Geschichten, tratschten, diskutierten, sangen,… ein TV hatten wir damals noch nicht, sonst hätten wir vielleicht auch einfach ferngesehen. Das Vergnügen, unter meinen Händen etwas entstehen zu sehen, während der Kopf frei ist, sich in jede beliebige Richtung zu denken oder zu fühlen, dieses Vergnügen ist mir geblieben.

Nun bekam ich eine Kulturgeschichte des Strickens geschenkt und begreife nun, was hinter dem Vers steckt:

Wer am Morgen bereits strickte, tat das zum Broterwerb, musste in der Regel damit Geld verdienen. Die Arbeit war schlecht gezahlt, die Ansprüche hoch: „Da muss eine alte Frau lange für stricken“, sagt man, wenn etwas sehr teuer ist.

Wer hingegen am Abend strickt(e), tut es zur eigenen Unterhaltung, aus Vergnügen, nach getanem Tageswerk, mit sorgfältig ausgewählten Garnen und mit Liebe zu den Menschen, die damit beschenkt werden. Dankbar bin ich, dass ich zur zweiten Kategorie der Stricker*innen gehöre.

Was das mit „Mensch-sein“ oder „Mensch-werden“ zu tun hat?

Für mich hat Stricken eine kontemplative Dimension: die Hände bewegen sich ohne den Geist zu beanspruchen, an den im Augenblick des Strickens keine weiteren Ansprüche gestellt werden und der Tun kann, was er will. Stricken ist eine Atempause im Alltag … Für Sie auch?

Forschung

Zum Menschsein gehört das Forschen. Dazu gehört auch das Streben nach Gotteserkenntis. Doch nicht nur der Mensch will immer mehr und besser verstehen – auch Gott forscht und will den Menschen verstehen:

Ps 139 beginnt mit den Worten:

„Ewiger, du hast mich erforscht, und du kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe, du weisst es, du verstehst meine Gedanken von fern.

Ob ich gehe oder liege, du hast es bemessen, und mit allen meinen Wegen bist du vertraut.

Kein Wort ist auf meiner Zunge, das du, Ewiger, nicht ganz und gar kennst.»

Was Gott wohl bei seiner Forschung über den Menschen lernt?

Gott ist mit seiner Forschung sogar so weit gegangen, selbst Mensch zu werden.

Gott muss das Menschsein sehr attraktiv finden 😊

Dunkel

Die Sonnenfinsternis 2003 verbinde ich mit einer speziellen Beobachtung: als die Sonne „verschwand“ wurde die Welt stiller und stiller, die Vögel hörten zu zwitschern auf, die Hunde legten die Unterkiefer flach auf den Boden, selbst der Wind schien sich zu legen – nur einige Menschen konnten dieses Anhalten nicht ertragen und mussten erst recht laut lachen und johlen …

Gehören Sie zu den Menschen, die die Dunkelheit lieben oder haben Sie es gern immer hell? Schalten Sie in allen Räumen die Lampen an oder löschen Sie die „Festbeleuchtung“? Schlafen Sie bei verdunkelten Fenstern oder freuen Sie sich schon beim Einschlafen auf den ersten Morgenschimmer? Brennt in Ihrem Fenster ein Licht für die spät Heimkehrenden oder stört Sie der Lichtstrahl, der durch das Schlüsselloch fällt?

Seit einem Gespräch mit einer Studentin beschäftigt mich die Frage, was eigentlich der Unterschied zwischen „dunkel“ und „finster“ ist.

Ist für Sie auch „finster“ düsterer, wertender, moralischer als das beschreibende „dunkel“? Eine finstere Nacht ist beängstigender, schwärzer, bedrohlicher als eine dunkle Nacht, ein finsterer Keller verlangt lauter nach einem Mutmachlied als ein dunkler Keller – oder doch nicht?

Sonntag ist der erste Tag der Schöpfung:

  • Der erste Schöpfungsbericht erzählt anschaulich, wie Gott am ersten Tag zuerst Licht schafft, um es dann vom Dunkel zu unterscheiden. Am siebten Tag ruht Gott schliesslich aus und darum ist er nach jüdischer Tradition ein Ruhetag.
  • Und am ersten Tag der Woche, so erzählen es die Evangelien, steht Jesus Christus von den Toten zu neuem Leben auf. Damit beginnt Gottes neue Schöpfung im selben Rhythmus wie die erste Schöpfung.

Können Sie sich vorstellen, wie Menschsein ohne Licht und ohne das Aufstehen zum Leben möglich sein sollte?

Ist Sonntag nun also für Sie erster Schöpfungstag oder Ruhetag?

Und wie feiern Sie sonntags das Menschsein?

Menschliche Sinne

»Fragt ihr euch eigentlich auch manchmal, welcher Sinn zuerst verschwindet, wenn man stirbt?«, fragte Selma, als sie mit ihren verformten Händen vergeblich versuchte, einen Knopf am Jackett des Optikers festzunähen, der nur noch an einem dünnen Faden hing. »Ist es der Tastsinn? Oder das Augenlicht? Vielleicht kann man auch als Erstes nichts mehr riechen. Oder schwinden einem alle Sinne auf einmal?«

Aus: Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann; Dumont-Verlag Köln 2019, S. 265

Entmenschlichung und Menschlichkeit

Er hat einen Tipp bekommen und rennt eilig los. Hass und Angst haben sich verbündet und lassen ihn rotsehen. Seine besten Männer nimmt er mit. Die, auf die er sich verlassen kann. Wenn man bedroht wird, hat man doch ein Recht darauf, sich zu verteidigen!? Er muss diesen Menschen los werden, der ihn umbringen, ihm sein Ansehen, seine Macht und alles nehmen will, was er besitzt. Nun soll der Feind, der Idiot, sich in der Wüste aufhalten, dort, wo man nicht unentdeckt bleiben kann. Eine bessere Gelegenheit wird er wohl nicht bekommen darum rennt er auch in die Wüste.

Doch am Abend tun ihm die Füsse weh und die Suche war bisher erfolglos. Er sucht sich einen Unterschlupf in einer der vielen Höhlen, wo er geschützt vor Unwettern und Gefahren die Füsse hochlegen und die Nacht verbringen will. Draussen vor der Höhle hat er Wachposten aufgestellt, die sich um seine Sicherheit kümmern. So kann er tief und ruhig schlafen; und seine Leute – mit Ausnahme der Wachen – auch. Dass er nicht allein in der Höhle ist, hat niemand von seinen Leuten bemerkt. Es ist ja wirklich auch ein blödsinniger Zufall, dass der Gesuchte sich ausgerechnet in die selbe Höhle zurückgezogen hat, die der Verfolger mit grossem Lärm betritt.

Das Herz des Gesuchten beginnt wie wild zu schlagen, so laut, dass er fürchten muss, dass sein Herzschlag ihn verraten könnte. Er verzieht sich so leise es geht noch tiefer in den Hintergrund. Als er unentdeckt bleibt, beruhigt sich der Herzschlag wieder und nun setzt das Denken ein: er ist im Vorteil, denn er weiss, dass sein sich in Sicherheit wiegender, schlummernder Verfolger da ist. Eine bessere Gelegenheit, ihn aus dem Weg zu räumen, gibt es nicht. Zwei Feinde – wie sich ihre Gedanken ähneln!

Mitten in der Nacht, als die ganze Truppe tief und fest in der REM-Phase liegt, schleicht sich der Verfolgte an den Verfolger heran, hebt das Messer und – bringt es nicht über sich, einen Menschen im Schlaf zu töten, auch wenn es der ärgste Feind ist. So schneidet er als Beweis seines Grossmuts nur eine Ecke von der Manteldecke ab.

Bei Sonnenaufgang erwacht der Staff des Verfolgers mit viel Getöse, reibt sich die Augen, schmiedet Pläne, wie die Verfolgung fortzusetzen sei, wirft sich eine Handvoll zu essen in den Mund und bricht wieder auf. Als der Trupp in sicherer Distanz ist, tritt der Verfolgte vor die Höhle und schreit den Aufgebrochenen hinterher: «Verehrung die Herren! Heute Nacht hätte ich nicht nur euren Chef, sondern euch alle umbringen können! Hier ist der Beweis!» Und er schwenkt die Mantelecke wie eine Trophäe über dem Kopf. «Wie kannst du nur annehmen, ich wollte dir etwas zuleid tun? Du, der einmal so viele Gefühle für mich hatte! Wann wirst du aufhören, mich zu verfolgen? Ich habe dir nichts getan!»

Wie die Geschichte weitergeht, ist nachzulesen bei 1Sam 24 und 26 

Christliches Leben

„Ach, Sie sind Christ? Ist mir noch gar nicht aufgefallen!

Woran würde dieser Mensch wohl merken, dass Sie ein Christ oder eine Christin sind?

  • Daran, was sie tun?
  • Daran, wie sie etwas tun?
  • Weil Sie ein besserer Mensch sind?
  • Am Kreuz-Kettchen?
  • An Ihrem Tischgebet?
  • An Ihrem Umgang mit den Menschen, der Mitwelt, den Ressourcen?
  • An …

Namen

Neulich begann eine Leiterin eine Weiterbildungsveranstaltung, indem sie kurz die Geschichte ihres Vornamens erzählte. In der anschliessenden Vorstellungsrunde der Teilnehmenden erzählten einige ebenfalls, was für ein Verhältnis sie zu ihrem Vornamen haben, was dieser bedeutet oder was sie damit schon erlebt haben. Noch selten konnte ich mir die Namen der Anwesenden so bequem und leicht merken, wie bei diesem Anlass. Seither beschäftigt mich – wieder einmal – die Frage, was es nur mit den Vornamen auf sich hat.

In vielen Kulturen ist der Name Programm oder wird in einer Vision geschaut. In manchen Kulturen bekommt ein Mensch auch einen geheimen Namen, um seine Identität zu schützen.  Wen ich mit Namen ansprechen kann, zu dem habe ich eine Beziehung und wer mich beim Namen nennt, der „kennt“ mich:

  • Der erste Mensch gibt den Tieren Namen (Gen 2, 20)
  • Die Propheten geben ihren Kindern zum Teil schwer ertragbare Symbolnamen
  • Einer der beliebtesten Taufsprüche zieht aus der namentlichen Bekanntheit Trost (Jes 43,1)
  • Neugeborene bekommen ein Namensband um Hand- oder Fussgelenk
  • Namensketten stärken die Identifikation mit den Namen …

Wissen Sie, warum Ihre Eltern Sie so genannt haben, wie Sie heissen? Und welche Geschichte verbindet Sie mit ihren Namen?

Bewegungen der Natur

Ein Bild zum Staunen und Geniessen.

Dachten Sie im ersten Moment auch, dass es sich bei diesen Figuren um Engelsgestalten handelt?

Oder um Tanzende?

Mit seiner High-Speed-Kamera hat der Norweger Ronny Tertnes Wassertropfen eingefangen, die auf eine Wasseroberfläche treffen.